Nieuws, Rotweissblau, Technik
Schreibe einen Kommentar

OV-Chipkaart: Bargeldlos Bahnfahren

Was habe ich sie geliebt, die gute alte Strippenkaart: dieses lange Stück Papier, das man in den klingelnden Fahrkartenautomaten schob oder auf das ein (meist) gutgelaunter Schaffner in der Tram seinen Stempel donnerte. Sukzessive haben sich die niederländischen Verkehrsbetriebe von der altertümlichen Streifenkarte verabschiedet – und an ihre Stelle ein elektronisches Ticket gesetzt, eine Art Kreditkarte für den gesamten öffentlichen Nahverkehr, von der jede gefahrene Strecke abgebucht wird. Bislang konnten sich Touristen noch mit papiernen Einzelfahrscheinen durchmogeln, doch seit diesem Sommer ist die OV-Chipkaart im ganzen Land eingeführt. Frida van Dongen und Ralf Johnen haben sie getestet.

Wir stehen etwas ratlos am neuen Hauptbahnhof von Rotterdam: überall Automaten, aber wie wir jetzt an die OV-Chipkaart kommen, sehen wir nicht. Wir gehen also ins Servicecentrum der Rotterdamer Verkehrsbetriebe. Nach kurzem Schlange-stehen erklärt uns der freundliche Mitarbeiter, dass wir als Touristen eine anonymisierte Karte kaufen sollten. Niederländer hingegen hätten meist eine personalisierte Karte, die zum Beispiel automatisches Aufladen des Guthabens vom Bankkonto ermöglicht.

Das Servicecenter im neuen Bahnhof von Rotterdam

Das Servicecenter im neuen Bahnhof von Rotterdam

Für die namenlose Karte sind 7,50 Euro fällig, damit ist auf dem elektronischen Ticket für Busse, Straßenbahnen und Züge jedoch noch kein Guthaben. Ebenso weist der Schaltermitarbeiter darauf hin, dass bei Rückgabe der Karte für die Rückerstattung des Guthabens eine Verwaltungsgebühr von 2,50 Euro erhoben wird. Zehn Euro sind also auf jeden Fall futsch. Wir buchen zunächst 25 Euro auf unsere Karten und ziehen los. Nicht ohne dem Hinweis zu lauschen, dass wir für die Nutzung der Niederländischen Bahn (NS) die Karte gesondert aktivieren müssten (und die Karte für Bahnreisen stets ein Mindestguthaben von 20 Euro aufweisen muss). Ach ja, und der nette Service ist mit 0,50 Euro pro Karte zu Buche geschlagen.

OV03

Der Service ist freundlich und kostet 0,50 Euro

Als wir in die Tram zum neuen Student Hotel (Bericht folgt) steigen, machen wir es den Rotterdamern nach und halten die Chipkarte gegen das Lesegerät. Dieses zeigt mit einem grünen Licht und einem Piepen an, dass die Karte gelesen wurde: „Goede reis“ ist zu lesen. Sobald man wieder aussteigt, wiederholt man den Vorgang, und man sieht sofort, wie viel des Guthabens verbraucht wurde. Auschecken an der Chipkarten-Säule beim Aussteigen ist wichtig – sonst läuft der Zähler weiter. Ganz ausgefeilt scheint das System übrigens nicht zu sein: als Ralf mehrmals durch den Bahnhof gegangen war, hatte offenbar die Chipkarte in seiner Tasche auf die Lesegeräte reagiert und war auf kostenpflichtige „Reise“ gegangen – allerdings ohne Ralf. Als dieser am nächsten Tag für eine Zugfahrt einchecken wollte, fehlten ihm 30 Euro; sie waren ihm für eine Fahrt abgebucht worden, die er gar nicht gemacht hatte.

OV05

An den Ladestationen kann man seine OV-Chipkaart aufladen.

In der niederländischen Politik regt sich Widerstand gegen die Chipkarte: eine Mehrheit der Zweiten Kammer will das Ticket in seiner jetzigen Form abschaffen, war jüngst in niederländischen Medien zu lesen. Unter anderem kritisieren die Politiker das umständliche ein- und auschecken. Ich hatte hiermit  keine Probleme, und grundsätzlich finde ich die Karte recht praktisch. Wer allerdings viel auf Datenschutz hält, den beschleicht ein ungutes Gefühl: gerade bei den personalisierten OV-Chipkarten könnte theoretisch jede Bewegung des Reisenden per Bussen und Bahnen nachvollzogen werden. Das finde ich schon einen unangenehmen Gedanken… Und so bin ich froh, als Touristin eine anonyme Karte zu haben.

Modern bezahlen mit der OV-Chipkaart auch in historischen Gefährten

Modern bezahlen mit der OV-Chipkaart auch in historischen Gefährten

Der eindeutige Vorteil der OV-Chipkaart ist natürlich , dass man sich nicht (wie beispielsweise in Köln) über Tarife und Zonen für einzelne Strecken kümmern muss, sondern die Kosten für einzelne Fahrten automatisch berechnet und abgebucht werden.

Frida van Dongen

Weitere Informationen: OV-Chipkaart

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.