Neu, Overijssel, Radfahren
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„Lekker“ radeln durchs Vechtetal

Bild: Vechtdal Marketing

Nachdem wir über die A3 gerast sind, von wilden BMW gejagt, hupen, blinken, die volle Dröhnung, setzt irgendwo hinter Zwolle die Tiefenentspannung ein: wir. fahren. gaaaaanz. gemütlich durch kilometerlange Alleen. Vorbei an Wiesen, die dicht mit Butterblumen und Löwenzahn bewachsen ist. Dach runter, durchatmen: der Duft nach den Blüten des Frühlings. Am Horizont ein kleines Dorf mit einem weithin sichtbaren Kirchturm. Und dazu die Farbpalette, die all die großen Meister inspiriert hat.

Radweg mit Kunstwerken

In dieser ländlichen Idylle rund um das Örtchen Ommen-Vilsteren wollen wir die urholländische Fortbewegungsart nutzen – „lekker“ radeln. Das Vechtetal nämlich wird von einer Fahrradroute begleitet, die sich über die Länge von rund 180 Kilometern von der Quelle bei Darfeld im Münsterland bis zur Mündung bei Zwolle schlängelt. Die Strecke ist durchgängig flach und führt durch ein vergleichsweise dünn besiedeltes Gebiet. Neben den landschaftlichen Reizen der Tour, die immer entlang des Flusses führt, gibt es als Bestandteil der Strecke die „Kunstwegenroute“: Rund 75 Skulpturen stehen entlang des Radweges auf einer Strecke von ca. 140 Kilometern Länge – und bilden so eines der größten offenen Museen Europas. Die meisten dieser Kunstwerke stehen unter freiem Himmel und sind rund um die Uhr kostenlos für jedermann zugänglich.

Bild: Vechtdal Marketing

Kunstwegenroute im Vechtetal in den Niederlanden.

Regionalprodukte zur Stärkung

Wir haben uns für diesen Nachmittag die »Scharrelroute« vorgenommen, die ebenfalls in der Vechtdalregion angesiedelt ist. Dazu werden wir mit einem robusten Gazelle-Zweirad, einem großzügig gefüllten Picknickkorb und einer Karte ausstaffiert. »Scharrelen« bedeutet auf Niederländisch so viel wie »kramen« oder »wühlen«. Für uns Radfahrer bedeutet das, dass wir über einen Parcours geschickt werden, der uns zu mit den Spezialitäten der Region vertraut macht. Schon auf den ersten Kilometern fühlen wir uns in eine andere Zeit versetzt: Jeder grüßt uns – und weil die Radwege fast durchweg fernab der Hauptstraßen verlaufen, hören wir kaum Zivilisationsgeräusche. Stattdessen eine breite Palette typisch niederländischer Landschaften. An einem Wehr, das der Zügelung der gelegentlich sehr temperamentvollen Vechte dient, hat sich gar eine Malerin mit ihrer Staffelei niedergelassen.

Stärkung mit regionalen Produkten. Bild: Ralf Johnen

Stärkung mit regionalen Produkten. Bild: Ralf Johnen

Die erste Station ist der Hofladen von Bauer Ernie van der Kolk, wo eine Flasche hausgemachter Apfel-Himbeer-Saft auf uns wartet. Weiter geht es über stets makellos ausgewiesene Pfade, die uns von einem Knotenpunkt zum anderen durch eine Auenlandschaft führen. Von Knotenpunkt 69 und 61 bis zu Nummer 60 befinden wir uns dabei auf der vorzüglich befahrbaren Vechtdalroute, die den Fluss von der Quelle in Deutschland bis zur Mündung ins Zwarte Water bei Zwolle treu begleitet.

Sahara in Holland

Bald befinden wir uns in einem kleinen Wald, wo es intensiv nach Kiefern duftet, dann wieder folgen violett schimmernde Heidegräser. Auf den Feldern ruhen gerundete Heuballen. Ach ja, und auf einem Hochsitz füttert eine Weißstorchmama ihren noch federlosen Nachwuchs. Schwer zu glauben, dass wir heute Morgen noch in Köln waren.

Stolze Storchenmama mit ihrem Nachwuchs. Foto: Ralf Johnen

Stolze Storchenmama mit ihrem Nachwuchs. Foto: Ralf Johnen

Unterwegs sammeln wir mit unseren Vouchers ein halbes Dutzend Freilandeier und ein Orangeneis aus Biomilch ein. Wir passieren Rapsfelder und Kuhweiden, bis schließlich ein Steinpflock mit einer Aufschrift meine Aufmerksamkeit erregt: Sahara. Neugierig folgen wir den Hinweisschildern. Weil sich die für heute letzte Schulgruppe gerade aus der Natur verabschiedet, befinden wir uns ganz alleine auf einer Sandfläche von erheblichen Ausmaßen. Wir schieben die Räder minutenlang durch den Sand und räsonieren, was der Lehrer seinen Schützlingen wohl erzählt hat: »Das hier ist natürlich keine Wüste.« »Dafür regnet es doch zu oft hier.« »Es handelt sich um Ablagerungen aus der letzten Eiszeit.« Und so weiter.

Sahara in Holland. Foto: Ralf Johnen

Sahara in Holland. Foto: Ralf Johnen

Ausruhen bei einer Bittergarnituur

Uns soll es recht sein, denn wir haben einen ziemlich perfekten Ort zur Ausbreitung unserer Picknick-Decke gefunden. Nach einer verträumten Stunde packen wir widerwillig unsere Sachen. Doch es gilt noch einen Bauernhof aufzusuchen, wo ein hausgemachter Käse mit Kreuzkümmel und Nelken auf uns wartet. Es ist die längste Etappe – auch weil Wind aufgekommen ist. So gesehen sind wir nicht unglücklich, als wir nach gut 40 Kilometern den Kirchturm von Vilsteren erblicken, dem Start- und Zielort. Die leise Perfektion des Tages wird in der »Herberg Het Klomp« abgerundet, wo uns eine hopfenhaltige Erfrischung und der Klassiker der niederländischen Snack-Kultur serviert wird: eine Bittergarnituur.

Im Vechtdal dreht sich alles ums Rad. Foto: Ralf Johnen

Im Vechtdal dreht sich alles ums Rad. Foto: Ralf Johnen

Für den Abend haben wir das Fünfgangmenü mit Weinbegleitung gebucht. Lamm, Spargel und Reh. Mit Fokus auf den Produkten und überwiegend von den Höfen aus der Nachbarschaft. Zum Nachtisch wartet ein traumloser Schlaf – und die Gewissheit, dass die einfachen Dinge im Leben immer noch zu den schönsten gehören.

 Informationen

Das Vechtetal (niederländisch: Vechtdal oder Overrijsselse Vechte) ist vom Ruhrgebiet mit dem Auto bequem in anderthalb Stunden erreichbar. Mit der Bahn dauert es von Köln mit Umstiegen in Arnhem und Zwolle gut 2 Stunden und 45 Minuten.

Das Vechtetal wird von einer Fahrradroute begleitet, die sich über die Länge von rund 180 Kilometern von der Quelle bei Darfeld im Münsterland bis zur Mündung bei Zwolle führt. Die Strecke ist durchgängig flach und führt durch ein vergleichsweise dünn besiedeltes Gebiet.

Bestens ausgeschildert ist die Vechtdalroute. Foto: Ralf Johnen

Bestens ausgeschildert ist die Vechtdalroute. Foto: Ralf Johnen

Die touristische Infrastruktur der Vechtdalroute ist durch die Bank gut – am Rande der Strecke, die zugleich als Landelijke Fietsroute 16 (LF 16) firmiert, befinden sich gute Hotels, Restaurants und Cafés, in denen radfahrerfreundliche Spezialitäten wie Pannekoeken (Pfannkuchen) serviert werden.

Die Scharrelroute ist eine Initiative der Herberg De Klomp in Vilsteren. Die Teilnahme kostet 22.50 Euro pro Person (Mi–Sa). Auf Anfrage kann das Hotel auch Leihfahrräder zur Verfügung stellen. Das Hotel bietet auch kulinarische Arrangements an, die wir für sehr gelungen halten – die Küche genügt hohen Ansprüchen, ohne dabei überkandidelt zu sein. Die Weinauswahl war formidabel, das Personal sehr freundlich.

Text & Bilder: Ralf Johnen. Die Geschichte über das Vechtetal ist in Kooperation mit dem Niederländischen Büro für Tourismus & Convention (NBTC) entstanden und ist Teil der Kampagne www.lekkerradeln.de

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