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Radtour auf den Spuren von Rietveld

Dies ist eine Liebesgeschichte. Und sie beginnt mit dem Tod. Truus Schröder-Schräder hatte 1923 ihren Mann verloren, nun war die junge Frau allein mit ihren drei Kindern. Auf der Suche nach einer geeigneten Unterkunft bat die Witwe den befreundeten Architekten und Möbeldesigner Gerrit Rietveld um Hilfe. Als sich in Utrecht kein passendes Objekt finden ließ – Wohnungsmangel gab es also offenbar damals schon – schlug ihr Bekannter ihr kurzerhand einen Neubau vor. Im Laufe der Bauzeit verliebten sich die beiden Freunde ineinander. Gerrit Rietveld zog schließlich zu seiner Geliebten und blieb dort mit ihr bis zu seinem Tode 1964 wohnen. Das unkonventionelle Bauwerk, das Rietveld für seine Truus entwarf, ist heute weltberühmt und steht auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.

UNESCO-Welterbe Rietveld-Schröder-Haus in Utrecht. Innenaufnahmen sind leider nicht gestattet. Bild: Frida

Das Rietveld-Schröder-Haus ist Weltkulturerbe

Wenn UNESCO-Welterbe auf dem Etikett steht, erwartet man etwas Monumentales, oder? So ging es mir jedenfalls, und deshalb war ich etwas enttäuscht, als ich das Rietveld-Schröder-Haus zum ersten Mal sah. Herangeklatscht an ein anderes, traditionell-niederländisches Backsteingebäude, etwas mickrig wirkend, auch noch brutal flankiert von der Autobahn. Doch dass dieses Konstrukt etwas ganz Besonderes ist, das erkannte natürlich auch ich auf den ersten Blick. Die strengen Linien. Das Kastenförmige. Die Farben Rot, Blau und Gelb an der „Fassade“, die durch große Fenster geprägt ist. Und zu der Autobahn muss man wissen, dass Truus und Gerrit ursprünglich freien Blick auf die weite Landschaft genossen – die Straße wurde erst viel später gebaut.

Ausgetüftelt bis in die letzte Ecke

Um die Genialität des Architekten zu begreifen, sollte man eine Audiotour durch das Rietveld-Schröder-Haus machen. Jede Ecke des Gebäudes atmet De Stijl und einen seiner berühmtesten Vertreter. Durchdacht ist das Haus bis in die letzte Ecke: mittels Schiebetüren lassen sich beispielsweise die einzelnen Räumlichkeiten im Obergeschoss in ein großzügiges Loft verwandeln; Klapptische an den Wänden wirken wie Prototypen modernen Möbeldesigns für raumsparende Lösungen – Ikea erscheint hier wie eine Raubkopie.

Diverse Rietveld-Häuser in Utrecht

Das Rietveld-Schröder-Haus ist Höhepunkt einer De Stijl-Radtour, die Utrecht eigens für das Themenjahr 2017 „Von Mondrian bis Dutch Design“ aufgelegt hat. Es ist wahrlich nicht so wie bei mancher Thementour, dass die Initiatoren verzweifelt irgendwelche Punkte zusammengesucht hätten, die irgendwie an Rietveld erinnern. Vielmehr finden sich auf der 9 Kilometer langen Route noch viele bedeutende Spuren des großen Designers und Architekten in Utrecht.

An der ehemaligen Werkstatt ist ein Foto von Riteveld (Mitte, sitzend) & Mitarbeitern angebracht.

An seiner  ehemaligen Werkstatt etwa ist ein großformatiges Foto des Künstlers im Kreise von Mitarbeitern zu sehen, darüber hinaus bestehen noch diverse Häuser, die unverkennbar Rietvelds Handschrift tragen.

Typisch Rietveld: einer seiner Entwürfe in Utrecht wird von einem Arhcitekten bewohnt. Bild: Frida van Dongen

Themenjahr 2017: „Von Mondrian bis Dutch Design“

Selbstverständlich sollte man im Themenjahr „Von Mondrian bis Dutch Design“ das Centraal Museum in Utrecht besuchen. Das Ausstellungshaus beherbergt ohnehin eine umfangreiche Rietveld-Sammlung – darunter sein berühmter Stuhl. Bis zum 11. Juni ist dort aber noch dazu die Ausstellung „Rietvelds Meisterwerk“ zu sehen, welche sein Oeuvre in das Gesamtwerk der De Stijl-Gruppe einordnet. Spaß macht die Ausstellung obendrein: unter anderem kann man in einem naturgetreuen Model des Rietveld-Stuhles Platz nehmen und selbst beurteilen, ob man das Möbelstück nun bequem oder eher etwas fürs Museum findet.

Geburtshaus Mondrians ist nun modernes Museum

Wer noch immer nicht genug hat von De Stijl, sollte ins gut 20 Kilometer entfernte, sehenswerte Städtchen Amersfoort radeln – dem Geburtsort von Piet Mondriaan, dem wohl berühmtesten Mitglied der Künstlergruppe. Hier wurde im März 2017 Mondrians Geburtshaus als modernes Museum wiedereröffnet.

Das „Pariser Atelier“ Mondrians wurde in Amersfoort originalgetreu nachgebaut.

Neben einem originalgetreuen Nachbau seines „Pariser Ateliers“ sind hier Spielereien wie eine Videoproduktion zu sehen, die Mondrian bei Kochen zeigt. Ein Journalisten-Kollege fand das geschmacklos, ich fand es witzig. Vielleicht bin ich ein wenig zu verspielt. Mit hat auch eine Musik-Video-Komposition des Museums gefallen, die mit den verschiedenen Epochen Mondrians und den passenden Musikströmungen spielt. Darüber hinaus kann man aber auch ganz klassische Ausstellungsstücke zu Piet Mondrian und seinem Leben betrachten.

Weitere Informationen: ThemenjahrMondrian

2 Kommentare

  1. Ursula Klaus sagt

    Sehr interessanter Beitrag zu den Architektur – und Kunstschätzen in Unrecht und Amersfoort. Sicher eine Reise wert!

  2. Frida van Dongen sagt

    Danke für das Kompliment, liebe Ursula! Ja, Utrecht ist wirklich eine Reise wert!

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