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Yerseke: Heimat der Meeresbauern

Bild: Frida van Dongen

Im Hafen des zeeländischen Örtchens Yerseke herrscht Anfang Juli geschäftiges Treiben: Männer springen von Kutter zu Kutter, auf denen Berge von Miesmuscheln lagern. Dann eilen sie mit einem Eimer in der Hand in einen großen, nüchternen Flachbau. Es ist das Gebäude der weltweit einzigen Muschelversteigerung.

Bild: Frida van Dongen

Die Schalentiere werden in Yerseke von Hand geprüft.

Hier wird die lebende Ware eingehend von Hand geprüft, bevor sie in die Auktion kommt: Größe, Gewicht, Qualität, sogar der Geschmack wird bewertet. Später in der Auktionshalle sitzen dann die Fischer gespannt in der letzten Reihe hinter den Händlern und verfolgen, was ihre Schiffsladung einbringt. Denn der meistbietende Händler bekommt den Zuschlag für die gesamte Ladung.

Bild: Frida van Dongen

In der weltweit einzigen Muschelversteigerung in Yerseke.

Schwarzes Gold für die „Bauern des Meeres“

Für Jos Steketee war es ein guter Tag: der Muschelzüchter hat seine rund 130.000 Kilogramm „schwarzes Gold“ zu einem Preis für 135,60 Euro pro Muscheltonne (100 Kilogramm) verkauft. Jetzt fährt er die Ladung mit seinem Muschelkutter wieder auf die Oosterschelde – zu den markierten Parzellen des Händlers, der bei der Auktion den Zuschlag bekommen hat.

Bild: Frida van Dongen

Nach der Versteigerung werden die Muscheln wieder in der Oosterschelde ausgesetzt.

Hier werden die Muscheln wieder „ausgesät“, bis sie in den Handel kommen. Jos Steketee bezeichnet sich deshalb auch als „Bauer des Meeres“ – einer von etwa 60 Züchtern in der Region, welche die Muscheln und Austern in der Oosterschelde und im Grevelingermeer anbauen.

Bild: Frida van Dongen

Auf dem Weg zu den Muschelbänken auf der Oosterschelde.

Im August lockt der „Muscheltag“

Touristen können das aufwändige Verfahren rund um die Muschelversteigerung nur einmal im Jahr im August beim „Muscheltag“ verfolgen, einem Festwochenende mit Informationen zur Muschelzucht, Bootsfahrten und Verkostungen. Yerseke bietet aber auch jenseits des „Mosseldags“ das ganze Jahr über die Möglichkeit, in die Kultur der Miesmuschel- und Austernzucht einzutauchen.

Bild: Frida van Dongen

In der „Oesterij“ in Yerseke kann man die Muscheln verkosten.

Am besten beginnen Interessierte ihren Besuch in der „Oesterij“: das Familienunternehmen ist seit 1906 in der Muschelzucht aktiv und präsentiert sich neuerdings als Informationszentrum rund um die Schalentiere. In der dortigen „Proeverij“ gibt es Kostproben der „Oesterij“-Produkte. Auf die einfachen Holztische kommen Austern, Muscheln und Hummer in vielfältiger Zubereitung. Während der Verkostung können die Gäste die Aussicht auf die umliegenden Austernbrunnen genießen, im Sommer auch von der Terrasse aus. Anschließend kann man an einer Führung durch das Unternehmen oder an einer Bootsfahrt mit Besuch einer Muschelfabrik teilnehmen.

Bild: Frida van Dongen

Das „schwarze Gold“ Zeelands erfreut sich großer Beliebtheit – auch bei Fotografen.

Diverse Restaurants

Wer sich darüber hinaus für die Geschichte der Muschel- und Austernkultur interessiert, sollte das kleine „Oosterschelde Museum“ beim Tourismusbüro VVV auf dem Kirchplatz besuchen. Und natürlich zum Abschluss eines Miesmuscheltages in eines der Restaurants gehen, die nicht nur für einen derart kleinen Ort wie Yerseke überraschend zahlreich und überwiegend hochwertig sind.

Bild: Frida van Dongen

In den verschiedensten Variationen kommen die Schalentiere auf den Tisch.

Die Reise wurde unterstützt vom VVV Zeeland und dem Niederländischen Büro für Tourismus & Convention (NBTC).

Der Text stammt in ähnlicher Form aus dem neuen Reiseführer „Zeit für das Beste – Niederländische Nordseeküste“, der am 1. August 2016 im Bruckmann-Verlag erscheint: http://amzn.to/29nJrIW

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