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Der “Merian live Amsterdam”: Mein Buch über die schönste Stadt der Welt

Mit Liebe geschrieben - und mit viel "altem Holland": Mein Amsterdam-Reiseführer aus der Reihe "Merian Live"

Mit Liebe geschrieben – und mit viel “altem Holland”: Der Reiseführer aus der Reihe “Merian Live”

Ein Wintertag in Amsterdam neigt sich dem Abend zu und die Lichter der so gemütlichen Häuser beginnen sich in den Grachten zu spiegeln. Schummrige Glühbirnen markieren die Umrisse der vielen Brücken. Und zur vollen Stunde ertönt das nostalgische Glockenspiel der Westerkerk.

Hach, wenn sich das Licht der Brücken im Wasser spiegelt...

Hach, wenn sich das Licht der Brücken im Wasser spiegelt…

Wer einmal einen solchen Amsterdam-Moment erlebt hat, wird den Zauber der Stadt nicht wieder vergessen. Oder einen dieser Vormittage im Frühling, an denen sich die Sonne mehr als zuvor erwartet hervorwagt.

Diese Euphorie, wenn die Sonne scheint und zartes Grün die Bäume bekleidet

Diese Euphorie, wenn die Sonne scheint und zartes Grün die Bäume bekleidet

Diese Euphorie, wenn die Amsterdamer kollektiv die Sitzpolster aus ihren Wohnungen holen, um einen Flecken auf einem Holzsteg am Wasser zu ergattern, oder wenigstens auf einer Fensterbank.

Niemand kann sich besser wünschen, als ein Amsterdamer zu sein

Niemand kann sich besseres wünschen, als ein Amsterdamer zu sein

Später im Jahr die langen Sommernächte, in denen es einfach nicht dunkel werden will, weshalb die Menschen das Leben feiern, am liebsten indem sie mit ihren Booten über die Kanäle tuckern.

Einzigartig in der Welt: Der schwimmende Blumenmarkt

Einzigartig in der Welt: Der schwimmende Blumenmarkt

Ja, und sogar der Herbst hat seinen Reiz, wenn der von der nahen Küste wehende Wind den Regen durch die Stadt peitscht, dass sich die Schirme verbiegen, während Radfahrer und Fußgänger sich unbeeindruckt ihren Weg zum Ziel bahnen.

Einer meiner Lieblingsorte: Die Magere Brug - besonders schön bei Wind und Wetter

Einer meiner Lieblingsorte: Die Magere Brug – besonders schön bei Wind und Wetter

Zugegeben: Es war eine optimistische Idee eine größere Siedlung in einer Gegend zu errichten, die sich zwischen Nordsee und Ijsselmeer befindet – und dazu am Rande des größten Flussdeltas Europas. Ein Gelände so sumpfig, dass jedes Gebäude auf einem Fundament von Pfählen errichtet werden musste, Millionen an der Zahl sind es geworden, und alle wurden eigens in den Boden gerammt, um Amsterdam möglich zu machen.

Archaisch und anarchistisch: Die offenen Brücken

Archaisch und anarchistisch: Die offenen Brücken

Aber es war nicht nur eine optimistische, sondern vor allem eine gute Idee. Durch seinen Zugang zum Wasser stieg Amsterdam bald nach seiner Gründung zu einem Handelszentrum auf. Zu einer Stadt, in der Menschen aus verschiedenen Nationen und Kulturen schon früh aufeinandergetroffen sind.

Ein Garant für einen unvergesslichen Konzertabend: Das Paradiso, hier beim Konzert von Pavement

Ein Garant für einen unvergesslichen Konzertabend: Das Paradiso, hier beim Konzert von Pavement

So wurden die Weichen für einen Sonderweg gestellt: In Amsterdam waren die Menschen toleranter als an den meisten anderen Orten. Bereits im Mittelalter haben verfolgte Juden aus Spanien, Portugal und Belgien hier Zuflucht gesucht und Unterschlupf gefunden. Nach der Reformation wurden die Katholiken hier weiterhin geduldet. Später sollten Prostitution sowie der Erwerb und Konsum weicher Drogen toleriert werden. 2001 schließlich war als Weltpremiere auch die Homo-Ehe salonfähig.

Trotz seines musealen Charakters ist Amsterdam in Bewegung. Noch unentdeckt ist der Stadtteil Noord

Trotz seines musealen Charakters ist Amsterdam in Bewegung. Noch unentdeckt ist der Stadtteil Noord

Manchmal freilich macht es heute den Eindruck, als müsste Amsterdam mit seiner Offenheit für die Engstirnigkeit anderer Städte und Nationen büßen: Besucher aus aller Welt reisen in dem Irrglauben an, hier existierten keine Regeln, an die sie sich zu halten hätten. So geben das Rotlichtviertel und einige andere Plätze zuweilen ein Bild ab, das so traurig ist, dass man das Ende der Zivilisation in Reichweite wähnt.

Am anderen Ufer des Ij wartet das Filmmuseum Eye darauf, entdeckt zu werden

Am anderen Ufer des Ij wartet das Filmmuseum Eye darauf, entdeckt zu werden

Doch nur ein paar Schritte weiter ist das schlechte Benehmen der Lauten und Betrunkenen vergessen. In den wunderbaren Kneipen des Jordaan kann sich der Besucher davon überzeugen, dass Amsterdam letztlich eine kleine Metropole mit mancherorts fast dörflicher Anmutung geblieben ist.

Bei der NDSK-Werft lockt der Stadtstrand des Café Pllek

Bei der NDSK-Werft lockt der Stadtstrand des Café Pllek

Eine Stadt voller Menschen, die Gemütlichkeit schätzen, die gerne und viel reden – und die still und heimlich das Genießen gelernt haben: Die Hauptstadt der Niederlande etwa zählt 13 mit Michelin-Sternen dekorierte Restaurants, nur zwei weniger als das vier Mal so große Berlin.

Ganz, ganz selten darf es auch mals Junkfood aus dem Automaten sein

Ganz, ganz selten darf es auch mals Junkfood aus dem Automaten sein

Überhaupt begnügt sich die Stadt nicht mit Stagnation: Auf den einstigen Hafeninseln im Westen sind moderne Stadtviertel entstanden – und seit einigen Jahren verleibt sich Amsterdam mit sichtbarer Freude auch den bislang vernachlässigten Norden ein. Zudem werden ständig originelle Hotels und Geschäfte eröffnet. So besteht aller Grund zu der Annahme, dass sich Amsterdam auch in Zukunft treu bleiben wird. Als eine freundliche und bezaubernde Stadt, die stets auch nach vorne blickt.

Wenn schon ein Auto, dann doch eine DS

Wenn schon ein Auto, dann doch eine DS

Und sollte sich die Evolution am Amsterdamer orientieren, wäre das nicht nur wegen der genannten Gründen ein Gewinn: In diesem Falle nämlich könnten die Menschen zukünftig gleichzeitig mit atemberaubender Geschwindigkeit Radfahren, Textnachrichten schreiben, Einkäufe und Nachwuchs auf sperrigen Anhängern oder wackligen Sitzen transportieren, pfeifen und orientierungslosen Touristen ausweichen. Und das in allen Jahreszeiten.

Der Autor, glücklich auf dem Dach des Volkshotel

Der Autor, glücklich auf dem Dach des Volkshotel

Das Buch “Merian Live” Amsterdam ist Ende Mai erschienen. Hier habe ich die Einleitung mit ein paar Bildern versehen. Der “Merian Live Amsterdam” kostet 11,99 Euro.

Hier findet ihr eine Buchrezension

Text & Bilder: Ralf Johnen für Grachten und Giebel

 

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