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48 Stunden Kulturhauptstadt 2018 Leeuwarden

Kulturhauptstadt Leeuwarden-Friesland 2018. Bild: Frida van Dongen

Leeuwarden. Die meisten geraten schon bei der Aussprache des Ortsnamens ins Stolpern. Doch sollte einem der Namen der Hauptstadt der Provinz Friesland bald locker von der Zunge gehen. Denn Leeuwarden ist 2018 Kulturhauptstadt Europas. Nach der Eröffnungsfeier im Januar 2018, die 40.000 Gäste sowie König Willem-Alexander und Königin Maxima anlockte, erwarten Besucher der 108.600 Einwohner zählenden, von Gassen und Kanälen durchzogenen mittelalterlichen Stadt ein abwechslungsreiches Kulturprogramm.

Ganz Friesland schien bei der Eröffnung des Kulturhauptstadtjahres auf den Beinen. Bild: Frida van Dongen

Ganz Friesland schien bei der Eröffnung des Kulturhauptstadtjahres auf den Beinen. Bild: Frida van Dongen

48 Stunden Kulturhauptstadt Leeuwarden: Check-in in der Poststation

12 Uhr: Ankunft am Bahnhof von Leeuwarden. Wir treten nach draußen und werden in den Bann des ersten Kunstwerks der Kulturhauptstadt gezogen: ein Springbrunnen in Form von zwei sieben Meter großen Köpfen eines Jungen und eines Mädchens, die sich ab Mai 2018 von feinem Nebel umwölkt anblicken. „Love“ hat der Künstler Jaume Plensa dieses Kunstwerk getauft, dass von nun an das Eingangstor zur Stadt bildet. Insgesamt 11 dieser neuen Springbrunnen werden ab Mai 2018 in den elf friesischen Städten stehen.

Einer der 11 Springbrunnen steht vor dem Bahnhof von Leeuwarden. Bild: Frida van Dongen

Einer der 11 Springbrunnen steht vor dem Bahnhof von Leeuwarden. Bild: Frida van Dongen

12.15 Uhr Wir schlendern ein paar Minuten durch Leeuwarden und gelangen zum Hotel Post Plaza. Bei dem 1908 erbauten Gebäude handelt es sich um die ehemalige Hauptpost, obwohl man angesichts des Tonnengewölbes auch einen Sakralbau vermuten könnte. Überall in dem Haus und den geschmackvoll eingerichteten Gästezimmern finden sich kleine Hinweise auf die Vergangenheit: gekachelte Briefmarken etwa oder großformatige Poststempel.

Hier findet ihr unsere Hotel-Kritik: Hotel Post Plaza

Das Grand Café im Post-Plaza Hotel. Bild: Frida van Dongen

Das Grand Café im Post-Plaza Hotel. Bild: Frida van Dongen

48 Stunden Kulturhauptstadt Leeuwarden: Schiefes Wahrzeichen

13 Uhr Nach dem Check-in und einer kurzen Verschnaufpause trinken wir in dem zum Hotel gehörenden, kathedralenartigen Grand Café noch einen koffie verkeerd und machen uns dann auf zum Wahrzeichen Leeuwardens: dem schiefen Turm Oldehove.

Der schiefe Turm Oldehove in Leeuwarden. Foto: Frida van Dongen

Der schiefe Turm Oldehove in Leeuwarden. Foto: Frida van Dongen

13.30 Uhr Bereits zu Beginn der Bauarbeiten im Jahre 1529 begann sich der Turm Oldehove zu neigen. Heute macht er dem schiefen Turm von Pisa (fast) Konkurrenz. Wir erklimmen den Turm im Vertrauen darauf, dass er noch eine Weile stehen bleiben möge und genießen den Blick auf das mittelalterliche Zentrum von Leeuwarden.

Die schmucke Innenstadt von Leeuwarden, Bild: Theo de Witte

Die schmucke Innenstadt von Leeuwarden. Bild: Theo de Witte

14.30 Uhr Zum späten Lunch bummeln wir zum Wilhelminaplein, wo jeden Freitag von 9 bis 17 Uhr ein Markt stattfindet. Dort reihen sich auch einige Restaurants und Cafés aneinander, unser Ziel ist das Bistro Fellini, wo es ausgezeichnete Sandwiches und natürlich auch süßes Naschwerk gibt.

Naschwerk mit dem Logo der Kulturhauptstadt Leeuwarden-Friesland. Bild: Frida van Dongen

Naschwerk mit dem Logo der Kulturhauptstadt Leeuwarden-Friesland. Bild: Frida van Dongen

48 Stunden Kulturhauptstadt Leeuwarden: Im modernen Fries Museum

15.30 Uhr Derart gestärkt, gehen wir die paar Schritte zum Fries Museum. Der moderne Bau aus dem Jahre 2013 geht auf den friesischen Architekten Abe Bonnema zurück. Als er 2001 starb, hinterließ er dem Museum 18 Millionen Euro – unter der Maßgabe, dass der Neubau nach seinen Plänen gestaltet werden würde. Inzwischen haben sich die Friesen wohl an den gläsernen Fremdkörper im historischen Zentrum gewöhnt. Das Museum erzählt auf unterhaltsame, moderne Art und Weise die Geschichte Frieslands und seiner Bewohner, darunter der Grafiker M.C. Escher und natürlich Mata Hari. Der berühmten Spionin und verführerischen Tänzerin werden wir uns später ausführlicher widmen.

Hier findet ihr weitere Infos über das Fries Museum: Fries Museum

Im Fries Museum in Leeuwarden wird auch die Geschichte Mata Haris erzählt. Bild: Frida van Dongen

Im Fries Museum in Leeuwarden wird auch die Geschichte Mata Haris erzählt. Bild: Frida van Dongen

48 Stunden Kulturhauptstadt Leeuwarden: Zum Abendessen in den Knast

17 Uhr So viel Kultur macht durstig, und so halten wir es wie die Friesen und finden uns in einer der diversen Kneipen zu einem typisch niederländischen Borrel ein. Ein frisch gezapftes Bierchen dazu ein paar „lekkere“ Bitterballen und zum Abschluss einen friesischen Beerenburg – da sagen wir doch: Prost!

Meistens gut besucht: das Restaurant Proefverlof . Foto: Jantina_Talsma

Meistens gut besucht: das Restaurant Proefverlof . Foto: Jantina_Talsma

19.30 Uhr Nach einer kleinen Kunstpause machen wir uns auf – in den Knast! Das Abendessen nämlich nehmen wir im Restaurant „Proefverlof“ ein. Das ist ein Wortspiel und heißt sowohl „Auf Bewährung“ als auch (sehr frei) „zum Probieren“. In dem stets gut besuchten, manchmal daher etwas lauten Restaurant gibt es solide, gradlinige, regionale Küche. Wer danch die paar Schritte zum Post-Plaza nicht mehr schaffen sollte, könnte sich im neuen Hostel „Alibi“ einquartieren – die ehemaligen Zellen sind inzwischen hübsch ausstaffiert, aber zu bezahlbaren Tarifen buchbar.

Einchecken im Knast: das neue Hostel Alibi in Leeuwarden. Bild: Fryslan Marketing

Einchecken im Knast: das neue Hostel Alibi in Leeuwarden. Bild: Fryslan Marketing

Hier könnt ihr einen Blick aufs Menü von Proefverlof werfen: Dinner-Karte Proefverlof

48 Stunden Kulturhauptstadt Leeuwarden: 2. Tag, wir folgen Mata Hari

10 Uhr Nach einer geruhsamen Nacht im Hotel Post Plaza genehmigen wir uns ein reichhaltiges Frühstück in der ehemaligen Hauptpost, vielleicht sogar mit echtem friesischen Zuckerbrot?

11 Uhr Mit dieser Grundlage treffen wir uns mit unserem Guide, um auf den Spuren der bislang wohl berühmtesten Friesin zu wandern: Mata Hari. Die auf den bürgerlichen Namen hörende Margaretha Geertruida Zelle wurde am 7. August 1876 in Leeuwarden geboren und als verurteilte Doppelspionin am 15. Oktober 1917 in Vincennes, Frankreich, hingerichtet. In ihrem kurzen, bewegten und teilweise tieftraurigen Leben war Mata Hari zeitweise eine Berühmtheit von Weltrang und verdrehte Männern als exotische Tänzerin reihenweise den Kopf. In ihrer Geburtsstadt Leeuwarden kann man auf einer Führung auf ihren Spuren wandeln und beispielsweise ihr Geburtshaus sehen oder eine Mata Hari-Statue bewundern, die an einem der Kanäle steht.

Begehrtes Objekt: Mata Hari stammte aus Leeuwarden. Bild: Frida van Dongen

Begehrtes Objekt: Mata Hari stammte aus Leeuwarden. Bild: Frida van Dongen

13.30 Uhr Und, habt ihr jetzt auch ein kleines Mittagstief? Dann ab zu Fruitbar Sis im Zentrum von Leeuwarden: hier gibt es nicht nur nahrhafte Smoothies, Salate und Sandwiches, einiges auch vegan. Man könnte hier sogar einen kompletten Detox-Tag einlegen und sich alle Mahlzeiten zum Entgiften hier bestellen…

48 Stunden Kulturhauptstadt Leeuwarden: ein Museum für die Sprache

14.30 Uhr Wir sind aber nicht zum Wellness-Urlaub hier, sondern um die Kulturhauptstadt Leeuwarden zu erkunden. Und weil wir schon gehört haben, dass Friesisch eine eigene Sprache ist, bietet sich ja das neue Sprachenmuseum an, das sich direkt an dem Platz befindet, wo sich der schiefe Turm Oldehove zur Seite neigt. Das Feiern der eigenen Sprache in einem Freistaat – das ist der Ausgangspunkt von „Lân fan taal“. In dem Neubau soll die Vielseitigkeit von Sprache spielerisch aufgezeigt werden. Man kann hier viel ausprobieren, sprechen, zuhören. Manchmal stimmt das einen nachdenklich, manchmal muss man lachen. Gutes, erfrischendes Konzept!

Das neue Sprachenmuseum der Kulturhauptstadt Leeuwarden. Foto: Frida van Dongen

Das neue Sprachenmuseum der Kulturhauptstadt Leeuwarden. Foto: Frida van Dongen

15.30 Uhr Etwas leichtere Kultur gefällig? Wie wär’s mit einer kleinen Shopping-Einheit?  Natürlich gibt es in Leeuwarden die üblichen Ketten in der Einkaufszone, unter anderem einen der ersten C&A’s Europas. Aber wer einen Schlenker, z.B. in die Kleine Kerkstraat, macht, entdeckt hier mehr als 30 kleine, unabhängige Läden. Die Straße wurde 2010 zur schönsten Einkaufsstraße der Niederlande gekürt.

17 Uhr Leute, ihr seid schon einen Tag in Holland, was kommt jetzt? Genau, der Borrel! Schnell eine Kneipe aufsuchen, vor der die Leute mit ihren Gläsern stehen, und einfach dazugesellen. „Gezellig“, sagen die Holländer dazu!

Prost auf Mata Hari und die Kulturhauptstadt Leeuwarden-Friesland! Foto: Frida van Dongen

Prost auf Mata Hari und die Kulturhauptstadt Leeuwarden-Friesland! Foto: Frida van Dongen

48 Stunden Kulturhauptstadt Leeuwarden: Ins Bett oder ins Theater? 

18.30 Uhr Wir sind ein bisschen ermattet und begeben uns zum frühen Abendessen in unser Post-Plaza-Hotel. Das Abendessen dort ist gut und reichhaltig und der Weg ins Bett nicht weit.

20 Uhr Wer aber noch Energie verspürt, kann sich 2018 noch Programmpunkte aus dem übervollen Kalender der Kulturhauptstadt Leeuwarden genehmigen. Im September zum Beispiel wird das Schauspiel „Der Schimmelreiter“ auf die Bühne gebracht, vielen noch aus dem Deutsch-Unterricht bekannt, hier aufgeführt mit echten friesischen Pferden. Oder man besucht vom 4. bis 8. Oktober die „Friesischen Tanztage“, bei denen Mittanzen ausdrücklich erwünscht ist – zumindest teilweise.

Lekker Sliepe im Post-Plaza Hotel in Leeuwarden. Foto: Frida van Dongen

Oder doch ins Bett? „Lekker Sliepe“ im Post-Plaza Hotel in Leeuwarden. Foto: Frida van Dongen

48 Stunden Kulturhauptstadt Leeuwarden: am 3. Tag ins Keramikmuseum  

Wer nicht bis in die Puppen getanzt hat, ist auch wieder früh fit, nicht wahr? Deshalb gehen wir nach dem Frühstück auch schnellen Schrittes durch die noch stille Innenstadt von Leeuwarden.

Das Museum Keramiek in Leeuwarden war das Geburtshaus des genialen Grafikers M.C. Escher. Bild: Frida van Dongen

Das Museum Keramiek war das Geburtshaus des genialen Grafikers M.C. Escher. Bild: Frida van Dongen

10 Uhr Wir sind pünktlich zur Öffnung im Museum Keramiek, dem Keramikmuseum, zugleich Geburtshaus des genialen Grafikers M.C. Escher. Wer bei Keramik an etwas dröge Töpfertassen denkt, wird hier belehrt: das Museum krempelt das Image um und zeigte mit Ausstellungen wie „sexy ceramics“, dass es Tiegelchen und Töpfchen aus dem alten China gibt, die den ein oder anderen Besucher leicht erröten lassen.

Zerbrechliche Erotik: "Sexy Ceramics" war eine Ausstellung betitelt. Bild: Frida van Dongen

Zerbrechliche Erotik: „Sexy Ceramics“ war eine Ausstellung betitelt. Bild: Frida van Dongen

12 Uhr Es ist Zeit, Abschied zu nehmen von der Kulturhauptstadt Leeuwarden. Mit vielen Eindrücken und ein paar Spezialitäten im Gepäck, spazieren wir zurück zum Bahnhof. Oant sjen – auf Wiedersehen!

Auf Wiedersehen in der Kulturhauptstadt Leeuwarden-Friesland 2018. Bild: Frida van Dongen

Auf Wiedersehen in der Kulturhauptstadt Leeuwarden-Friesland 2018. Bild: Frida van Dongen

Weitere Informationen zum Programm der Kulturhauptstadt: Leeuwarden-Friesland 2018

3 Kommentare

  1. Ursula Klaus sagt

    Sehr interessante und anschauliche Reportage! Macht Lust auf einen 2-Tagestrip!

    • Frida van Dongen sagt

      Danke für deinen Kommentar, Ursula! Ja, Leeuwarden ist auf jeden Fall eine Reise wert! Nicht nur 2018 zum Kulturhauptstadtjahr…

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