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Im Kurhaus tanzt Nordsee-Makrele mit Sojabohnen

Kaiserin Elisabeth von Österreich, besser bekannt unter dem Namen Sisi, wird sicherlich ein wenig länger im Kurhaus von Scheveningen verweilt haben als die Rolling Stones. Die damals steil aufstrebende Band gab in den ehrwürdigen Hallen am 8. August 1964 ein Konzert, das ganze zwei Minuten dauerte – dann wurde das ekstatische Publikum mitsamt den Rockstars aus dem Kuppelsaal gekehrt.

Das ehrwürdige Kurhaus von Scheveningen. Foto: Frida van Dongen

Das ehrwürdige Kurhaus von Scheveningen. Foto: Frida van Dongen

Heute ist es recht still in dem mit maritimen Fresken prunkvoll ausgestatteten Saal, der leider nunmehr vornehmlich als Durchgangsstation des Grand Hotel Amrath zwischen dem Zentrum Scheveningens und der Strandpromenade fungiert. Zuweilen dient er noch als Kulisse für Festivitäten, wie etwa neulich anlässlich des Nationalfeiertags von Saudi-Arabien, so dass sich statt rebellischer Rockstars verhüllte Scheichs in den Hallen verlustierten, aber das ist eine andere Geschichte…

Der Kursaal in Scheveningen. Foto: Ralf Johnen

Der Kursaal in Scheveningen. Foto: Ralf Johnen

Zum Lunch auf die Kurhaus-Terrasse

Wir schreiten also durch den Kursaal, um zum wahren Anlass unseres Kurhausbesuchs zu kommen: einem Lunch im „Waves“. Das Restaurant gehört zum Hotel Kurhaus, das die niederländische Nobelkette Amrath vor 1,5 Jahren von Steigenberger übernommen hat – nachdem die deutschen Hoteliers das Traditionshaus heruntergewirtschaftet hatten. Nun also ein Neubeginn, und die Kritiken über das Haus unter neuer Regie sind durchaus wohlwollend. Wird auch das Hotelrestaurant überzeugen?

Zaungäste gibt es reichlich auf der Terrasse des Kurhauses Scheveningen. Foto: Ralf Johnen

Zaungäste gibt es reichlich auf der Terrasse des Kurhauses Scheveningen. Foto: Ralf Johnen

An einem tropischen Herbstmittag nehmen wir auf der Terrasse des Waves Platz – mit Blick auf das Meer, den Strand, die Promenade von Scheveningen und das neue Riesenrad, das sich am Pier über der Küstenlinie dreht. Aber auch, wer im Herbst und Winter drinnen sitzt, hat Dank der großen Fenster einen schönen Ausblick. Statt Brot knabbern wir als ersten Snack eine abgewandelte Version von Kroepoek, indonesische Krabbenchips, mit einer Creme, die aus einer Tube kommt – eine ungewöhnliche, durchaus pfiffige Art, die Vorfreude auf das zu steigern, was in der Folge aus der Küche kommen mag.

Macht Lust auf den Lunch: Knabbereien als Start. Foto: Ralf Johnen

Macht Lust auf den Lunch: Knabbereien als Start. Foto: Ralf Johnen

Fangfrischer Nordseefisch

Dass es Fisch sein wird, der aus der Nordsee kommt, auf die wir grade versonnen blicken, wird schon durch das Logo auf der Speisekarte deutlich: „Noordzeevis uit Scheveningen“, prangt dort mit unverhohlenem Stolz auf die heimischen Meeresschätze. Schließlich wird der Fisch unweit des Restaurants im Hafen von Scheveningen an der dortigen Fischversteigerung fangfrisch gehandelt.

Das neue Logo, mit dem die Niederländer für Nordseefisch werben.

Das neue Logo, mit dem die Niederländer für Nordseefisch werben.

Als ersten Gang serviert uns Küchenchef Marc Smeets auf asiatische Weise marinierte Makrele mit Gurke und Sojabohnen – ein Gedicht, nicht nur für die Augen! Der gehaltvolle, klassisch-niederländische Nordseefisch tanzt zu den exotischen Noten auf dem Gaumen.

Makrele mit asiatischer Note. Foto: Ralf Johnen

Makrele mit asiatischer Note. Foto: Ralf Johnen

Darauf folgt Filet von der Scholle, im Ofen gegart, mit Muscheln und einer leichten Currysauce sowie als I-Tüpfelchen das von mir so geliebte Meeresgemüse Queller. Erneut also hat Marc Smeets dem Gericht eine asiatische Komponente hinzugefügt. Dazu schenkt uns der aufmerksame, freundliche Service ein Glas Sauvignon Blanc „Single Vineyard“ vom neuseeländischen Weingut Tohu Estate ein.

Filet von der Scholle mit dem Meeresgemüse Queller. Foto: Ralf Johnen

Filet von der Scholle mit dem Meeresgemüse Queller. Foto: Ralf Johnen

Der Küchenchef erklärt seine Komposition

Zum Wolfsbarsch schließlich lässt sich der Küchenchef Marc Smeets von seinen Töpfen weglocken, um uns die Komposition zu erläutern. Der Fisch ist auf der Haut gebraten und thront auf einem Türmchen aus Perlgraupen sowie eingelegter Zitrone. Abgerundet wird die deliziöse Komposition von einer Sauce aus Schalentieren. Galant geführt wird der Wolfsbarsch von einem weißen Burgunder, Jahrgang 2013, aus dem kleinen französischen Anbaugebiet Chassagne Montrachet.

Küchenchef Marc Smeets serviert selbst den köstlichen Wolfsbarsch. Foto: Ralf Johnen

Küchenchef Marc Smeets serviert selbst den köstlichen Wolfsbarsch. Foto: Ralf Johnen

Als wir nach dem formidablen Lunch das Restaurant Waves durch den Kursaal verlassen, sind wir fast so ekstatisch wie Anno 1964 die Rolling Stones-Fans…Aber anders als jene werden wir freundlich verabschiedet.

Freundliche Verabschiedung aus dem Restaurant Waves im Kurhaus Scheveningen. Foto: Ralf Johnen

Freundliche Verabschiedung aus dem Restaurant Waves im Kurhaus Scheveningen. Foto: Ralf Johnen

Frida van Dongen war auf Einladung des Nederlands Visbureau, des Niederländischen Büros für Tourismus & Convention (NBTC) und Den Haag Marketing im Waves. Gemundet hat es ihr von ganz allein.

Restaurant Waves im Grand Hotel Amrath Kurhaus, Gevers Deynootplein 30, 2586 CK Den Haag (Scheveningen), Tel.: 0031 (0)704162636, www.wavesatthekurhaus.nl

 

Bruckmann-Verlag

Verlosung: Reiseführer „Niederländische Nordseeküste“

Ihr wollt unbedingt einmal bei einem „Google-Bauern“ in einer Scheune dinieren? Holländische Berge mit einem fiets bezwingen? Das Mädchen mit dem Perlenohrring treffen? Der neue Reiseführer „Zeit für das Beste – Niederländische Nordseeküste“, erschienen im Bruckmann-Verlag, leitet euch zu diesen und vielen anderen Orten in den Niederlanden. Auf 288 Seiten geben die Autoren Alexandra und Ralf Johnen Informationen für den perfekten Holland-Urlaub. Ergänzt wird das Buch durch zahlreiche Bilder des Fotografen Hans Zaglitsch sowie durch eine große, herausnehmbare Übersichtskarte der Urlaubsregionen. Wir verlosen drei dieser Reiseführer auf grachtenundgiebel.de. Was ihr dafür tun müsst, erfahrt ihr am Ende des Textes.

Strandtag in Scheveningen, Holland. Bild: Frida van Dongen

Strandtag in Scheveningen, niederländische Nordseeküste. Bild: Frida van Dongen

Anleitung für perfekten Urlaub an der Nordseeküste

Der handliche Reiseführer „Zeit für das Beste – Niederländische Nordseeküste“ beginnt mit einer Zwölf-Punkte-Checkliste unter dem Titel „Das sollten Sie sich nicht entgehen lassen“. Hier erfährt der Leser, was es an der niederländischen Nordseeküste unbedingt zu erleben gilt – vielleicht nicht gerade in einem einzigen Urlaub, sondern eher in Etappen. Denn die Küstenlinie beträgt van der Westerschelde bis zum Wattenmeer stattliche 523 Kilometer. Und die vorgeschlagenen Aktivitäten reichen vom Besuch des Hochwassersperrwerks Deltawerke in Zeeland, über eine Dünenwanderung durch den Nationalpark Zuid-Kennemerland bis hin zu Fisch-Essen in Volendam.

Bild: Frida van Dongen

Unterwegs auf der Oosterschelde in Zeeland, niederländische Nordseeküste. Foto: Frida van Dongen

Geheimtipps von Holland-Kennern

Nach einem Kapitel zu Geschichte und Landeskunde schließt sich ein Programmvorschlag für einen siebentägigen Küstenurlaub in den Niederlanden an. Dann folgen die ausführlichen Abschnitte zu den einzelnen Provinzen. Hier finden die Leser auch nützliche Adressen für gute Restaurants und Hotels sowie Hinweise zu den wichtigsten Attraktionen. Außerdem geben die Autoren hier ihre bei zahlreichen Hollandreisen erworbenen Geheimtipps preis. Abgerundet wird das Buch mit Reisehinweisen von A-Z, einem Guide für Familien mit Kindern sowie einem kleinen Sprachführer Deutsch-Niederländisch.

Foto: Ralf Johnen

Watterwanderung Noordpolder, niederländische Nordseeküste. Foto: Ralf Johnen

Die Autoren sind Holland-Experten

Die Autoren Alexandra und Ralf Johnen kennen die Niederlande in all ihren Facetten – von den Grachtenkellern in Utrecht bis hinauf zum Euromast in Rotterdam, von urigen Kneipen in Amsterdam bis zu Nobelrestaurants in Zeeland.

Autor Ralf Johnen bei der Arbeit...Foto: Alexandra Johnen

Autor Ralf Johnen bei der Arbeit…Foto: Alexandra Johnen

Ralf ist als Sohn einer niederländischen Mutter schon seine ersten kleinen Schritte auf dem Nordseestrand gestapft. Alexandras Spuren im Sand kamen später: zunächst durch private Besuche bei Ralfs Familie, dann als Stipendiatin der Internationalen Journalistenprogramme (IJP) und seit 2008 als Pressereferentin des Niederländischen Büros für Tourismus & Convention.

Autorin Alexandra Johnen in einem Airstream auf dem Campingplatz De Lakens. Foto: Ralf Johnen

Autorin Alexandra Johnen in einem Airstream auf dem Campingplatz De Lakens. Foto: Ralf Johnen

Drei Reiseführer zu gewinnen!

Gemeinsam mit dem Bruckmann-Verlag verlost grachtenundgiebel.de insgesamt drei Reiseführer „Zeit für das Beste – Niederländische Nordseeküste“ im Wert von jeweils 15,99 Euro. Um zu gewinnen, müsst ihr nur in der Kommentarfunktion auf grachtenundgiebel.de angeben, wie das Hochwassersperrwerk in  Zeeland heißt. Wir verlosen unter allen richtigen Einsendern. Das Gewinnspiel läuft bis Sonntag, 23. Oktober 2016. Die Gewinnerin/der Gewinner wird anschließend per Email benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Wir wünschen viel Glück!

Weitere Informationen: Reiseführer Niederlande Bruckmann-Verlag

 

 

 

Kniefall vor dem Fotografen: Eine Retrospektive für Peter Lindbergh

Das Gesicht einer Generation: Kate Moss, wie Peter Lindbergh sie uns gezeigt hat

Das Gesicht einer Generation: Kate Moss, wie Peter Lindbergh sie uns gezeigt hat

Erst mal ein Selfie machen. Mit dieser zeitgemäßen Geste hält Peter Lindbergh einen Augenblick fest, der sich so nicht wiederholen wird. Die Kunsthalle Rotterdam hat dem Fotografen einen großen Bahnhof bereitet.

Nur der Moment: Peter Lindbergh hält seinen groß Tag auf einfache Weise fest

Nur der Moment: Peter Lindbergh hält seinen großen Tag auf einfache Weise fest

Mit einer groß angelegten Ausstellung, aber nicht nur damit: Viele Supermodels der ersten Stunde sind gekommen, um Lindbergh zu huldigen. Der 71 Jahre alte Mann aus Duisburg genießt es sichtlich, als er in deren Begleitung in einem nicht aufhören wollenden Blitzlichtgewitter durch die Räume schreitet. »Und die Tina«, sagt er, »die kommt gleich auch noch«.

Riesenauflauf: Der Duisburger Jung mit seinen Wegbegleitern

Riesenauflauf: Der Duisburger Jung mit seinen Wegbegleitern – u.a. Tatjana Patitz und Nadja Auermann

»Die Tina« ist in diesem Fall Tina Turner, deren Posen Lindbergh festgehalten hat, um ihr in Ergänzung zu einer unverwechselbaren Stimme auch optisch den Status einer Ikone zu verleihen.

Private Dancer: Lindbergh hat Tina Turner auch optisch zu einer Pop-Ikone geadelt

Private Dancer: Lindbergh hat Tina Turner auch optisch zu einer Pop-Ikone geadelt

Weder Nadja Auermann noch Tatjana Patitz oder Milla Jovovich schauen bei der Ansage verwundert auf. In einer guten Welt ist man seinen Weggefährten schließlich etwas schuldig.

Gesichter einer Generation

Während die Kameras auf die unterschiedlichen gealterten Models gerichtet sind, parliert Lindbergh freudig. Ja, das waren Zeiten, als er Karen Alexander, Linda Evengelista, Christy Turlington und Patitz am Strand von Malibu abgelichtet hat – in weißen Blusen, die nun als modische Evergreens im Museumsshop verkauft werden. Oder als er 1994 Kate Moss mit nur einem Bild für »Harper’s Bazaar« zum Gesicht einer ganzen Generation gemacht hat. Er, ein Junge aus dem Pott, der rein äußerlich besser in einem Schimanski-Krimi aufgehoben wäre als in die Welt von Glitz und Glamour.

Milla Jovovich stand schon mit 13 vor Lindberghs Kamera. Nun hatte auch ich die Ehre

Milla Jovovich stand schon mit 13 vor Lindberghs Kamera. Nun hatte auch ich die Ehre

Im Auditorium des Museums hatte Lindbergh kurz zuvor gesagt, dass seine Arbeit in erster Linie auf Vertrauen basiere. Die Mannequins wissen, dass er nicht an Makeup interessiert ist, sondern an ihrer natürlichen Seite. Nicht an banaler Zurschaustellung des Körpers, sondern an Persönlichkeit, mit Platz für Unvollkommenheiten, die ja, verkürzt gesagt, wesentlich zum Charakter beitragen.

Der Fotograf als Therapeut: Peter Lindbergh in der Kunsthalle Rotterdam

Nadja Auermann, heute 45, räumt vor der internationalen Modejournaille sogar ein, dass sie sich erst durch Lindbergh als vollwertige Frau zu fühlen gelernt habe. »Ich wollte immer wie Marilyn Monroe aussehen. Doch ich war nur groß und dünn.« Hier hat der Fotograf also zugleich als Therapeut gewirkt.

Back then: Tatjana Patitz damals und heute

Back then: Tatjana Patitz damals und heute

Milla Jovovich stand schon mit 13 in der Mojave-Wüste vor Lindberghs Kamera. Sie ergänzt, dass es bei ihm nie darum gegangen sei, »pretty« im Sinne von hübsch zu sein. Stattdessen habe der Mann hinter der Kamera kein Risiko gescheut, um andere Seiten aus ihr heraus zu kitzeln.

Milla Jovovich mit Kurator Thierry-Maxime Loriot und Kollegin Auermann

Milla Jovovich mit Kurator Thierry-Maxime Loriot und Kollegin Lara Stone

Tatjana Patitz meint gar, es gehe dem vermeintlichen Model-Dompteur um die Dekonstruktion des gesamten Genres. In einer Welt, die nach Perfektion lechze, stehe Lindberghs Arbeit für Simplizität und Natürlichkeit.

Shine on: Milla Jovovich mit Stilllebenrequisite

Shine on: Milla Jovovich mit Stilllebenrequisite

Rund 220 Exponate hat Kurator Thierry-Maxime Loriot zum Beweis der These ausgesucht, dass Lindbergh einen anderen Blick auf die Modewelt eröffnet hat.

Zeitreise in meine eigene Jugend

Für mich persönlich ist der Besuch zu einer Reise in eine Zeit geworden, die sich wie meine Jugend anfühlt, die in Wahrheit aber wohl spätere Jahre abdeckt.

Die Gesichter von Kate Moss, Linda Evangelista, Nadja Auermann und Naomi Campbell waren in den 90ern so allgegenwärtig, dass ich mich unweigerlich in ihrer Begleitung durch laue Kölner Nächte stapfen sehe, durch ein Jahrzehnt, in dem der einzige Plan darin bestand, keinen Plan zu haben.

Karen Alexander und Lara Stone beim Close-up

Karen Alexander und Lara Stone beim Close-up

Altern mit Peter Lindbergh: ungeschminkt und natürlich

So erhält die Ausstellung zusätzlich zu ihrem Dokumentationscharakter auch eine schwelgerische, nostalgische Note. Bis die Realität an diesem besonderen Tag ihr unbarmherziges Gesicht zeigt: Die Zeit ist an einigen Supermodels nicht spurlos vorbeigezogen. Doch statt sich auf einen Wettlauf mit ihr einzulassen, geben sie sich so, als würden sie für Lindbergh posieren: weitgehend ungeschminkt und natürlich.

Mirror Madonnas

Mirror Madonnas

Als ich nach drei Stunden die Kunsthalle verlasse, komme ich zu dem Schluss: Lindbergh hat das Frauenbild seiner Zeit maßgeblich mitgeprägt. Ich finde, dass er sie in seinen Bildern von der Bürde befreit hat wie flexibel einstzbare Requisiten zu wirken. Dabei ist es ihm gelungen, auf dem schmalen Grat zwischen Unvollkommenheit und Kunst zu wandern. Dabei ist es ihm gelungen, nur innerhalb der Branche ein Star zu werden. Das könnte sich mit seiner ersten Retrospektive nun ändern. Verdient hätte er es. Und das Selfie ist schon mal im Sack.

Always on the run

Always on the run

Informationen

Die Ausstellung zeigt 220 Exponate von Lindbergh. Es handelt sich fast ausschließlich um Schwarzweißfotografien. Auf Show-Effekte verzichtet Kurator Thierry-Maxime Loriot fast vollständig – erst im letzten Raum sind einige Fotos auf transparente Tücher aufgezogen. Die Ausstellung »Peter Lindbergh – A different Vision of Photography« ist bis zum 12. Februar 2017 in der Kunsthal Rotterdam (Di–Sa 10–17Uhr, So ab 11 Uhr) zu sehen. Der Eintritt kostet 12 Euro. Anschließend zieht die Schau in die Kunsthalle München weiter.

Thierry-Maxime Loriot übrigens hat auch die Retrospektive über Jean Paul Gaultier kuratiert – und auch die habe ich während ihrer ersten Station gesehen. Das war 2010 in Montreal, wo der Kurator herkommt.

Der Katalog zur Ausstellung ist bei Taschen erschienen und kostet 59,99 Euro. Es ist ein großformatiges Kompendium mit mehr als 500 Seiten, das jedes Kind der 90er auf dem Kaffeetisch liegen haben sollte – oder wenigstens im Bücherschrank.

Weitere Informationen über die Kunststadt Rotterdam unter #rotterdamART

Text und Bilder: Ralf Johnen, September 2016

 

Neuer Reiseführer: Niederländische Nordseeküste

Sehnsucht nach Strand. Die Füße in den Sand graben, sanft eindösen beim Rauschen der Wellen, Bötchen zählen, die am Horizont vorüberziehen. Für viele Urlauber aus NRW ist es ein seit Generationen praktiziertes Ritual: den Kofferraum vollpacken, und in rund drei Stunden gen Holland düsen, zweieinhalb Tage Kopflüften.

Das Mädchen mit dem Perlenohrring Mauritshuis Johannes Vermeer Den Haag The girl with the pearl earring 47

Kurzurlaub vor dem Kurhaus von Scheveningen: Reiseführer-Autor Ralf Johnen

Doch selbst eingefleischte Holland-Seefahrer wissen oft nicht: dass man in Zeeland hervorragenden Oosterschelde-Hummer kosten kann. Dass unweit des Strandes das „Mädchen mit Perlenohrring“ auf Besuch wartet. Und es im Nordholländischen Dünenreservat kleine Berge zu erklimmen gibt.

Das Mädchen mit dem Perlenohrring Mauritshuis Johannes Vermeer Den Haag The girl with the pearl earring 25

Vermeers „Mädchen mit dem Perlenohrring“ ist der Popstar des Mauritshuis in Den Haag

Unentdeckte Seiten der holländischen Nordseeküste

Geheimtipps wie diese verrät Grachtenundgiebel-Gründer Ralf Johnen in seinem neuen Reiseführer „Niederländische Nordseeküste – Zeit für das Beste“. Gemeinsam mit seiner Frau Alexandra Johnen und dem Fotografen Hans Zaglitsch will der Journalist neben den bekannten Abschnitten der 250 Kilometer langen niederländischen Nordseeküste auch diejenigen Ecken vorstellen, die den Objektiven der Stammgäste vielleicht bisher entgangen sind.

Einsame Strände an der niederländischen Nordseeküste

Einsame Strände an der niederländischen Nordseeküste

Auf 288 Seiten führt die Reise von Zeeland mit einem Fokus auf den kulinarischen Köstlichkeiten der Provinz nach Zuid-Holland mit Geheimtipps für noch (weitgehend) unentdeckte Strände sowie die zauberhafte Städte Delft, Den Haag und Leiden. Nach dem Besuch des futuristischen Rotterdams mit seiner spektakulären neuen Markthalle geht die Reise nach Nordholland mit Amsterdam als Highlight, aber auch mit einem Tipp für das idyllische Naturschutzgebiet Zuid-Kennermerland. Inselhopping zu den niederländischen Nordsee-Eilanden ist ebenso drin wie eine Rundfahrt ums Ijsselmeer und ein längerer Ausflug nach Friesland und Groningen.

StrandNL3

Ergänzt wird das mit rund 450 Fotos sowie diversen Karten ausgestattete Buch mit Tipps für Aktivitäten mit Kindern. Außerdem gibt es  Ratschläge für einen günstigen Urlaub in den Niederlanden sowie ein Beispiel für eine einwöchige Tour an Hollands Küste. Reiseinformationen und ein kleiner Sprachführer runden den Guide ab.

„Niederländische Nordseeküste – Zeit für das Beste“, von Alexandra und Ralf Johnen sowieHans Zaglitsch (Fotos), erschienen im Bruckmann Verlag am 1. August 2016, 288 Seiten, 15,99 €, ISBN-13: 978-3-7343-0416-3

Beziehbar über den klassischen Buchhandel sowie über: Online-Buchhandel

Bild: Frida van Dongen

Mit der Handschrift des Stammgastes: das Parkhotel De Wiemsel in Twente

Das Hotel:

Wenn ein Stammgast sein Lieblingshotel übernimmt, muss dabei ja eigentlich etwas Gutes herauskommen. Zumal dann, wenn jener Dauerkunde auch noch Hotelier ist. H. J. Claassen, ein 72-jähriger Unternehmer aus Lüneburg, verbrachte früher regelmäßig ein paar Tage in dem Hotel „De Wiemsel“.

Bild: Frida van Dongen

Beste Aussichten: Blick von der Hotelterrasse auf den Park.

Das Traditionshaus war über die Grenzen der Niederlande hinaus bekannt geworden, als 1968 die europäischen Finanzminister dort logierten. Auch die frühere Königin Beatrix beehrte das Hotel bereits.  Claassen also kam einmal im Jahr ebenfalls zum Kurzurlaub dorthin –  bis er und seine Gattin 2014 vor verschlossenen Türen in der Twenter Landschaft standen. Die Betreiber der Herberge waren pleite.

Bild: Frida van Dongen

Sogar sein eigenes (Herren-)Parfum hat der findige Unternehmer H. J. Claassen kreiert.

Als Claassen wenig später das Angebot erhielt, das Haus zu übernehmen, schlug er zu. Der findige Industriekaufmann hatte schließlich Erfahrungen in der Hotellerie: als er in den 1970er Jahren seine Firma Meltex in Lüneburg gegründet hatte und es an Übernachtungsmöglichkeiten für Kunden und Geschäftspartner mangelte, baute er kurzerhand sein eigenes Hotel. Noch heute betreibt er dieses und eine weitere Unterkunft in Lüneburg.

Foto: Frida van Dongen

HIer ist die Welt noch in Ordnung: wir nächtigten mit offener Balkontüre und atmeten die Parkluft.

Aber zurück zum Parkhotel De Wiemsel. Man merkt dem nach einer Komplettrenovierung am 5. August 2015 wiedereröffneten Haus an, dass hier jemand seine persönlichen Reiseerfahrungen hat einfließen lassen. Die komfortable, durchdachte Ausstattung der Zimmer lässt darauf ebenso schließen wie die Arrangements – von Radel-Wochenenden über Golftrips bis hin zu Kultur-und Weinpaketen – sowie die Einrichtungen im großzügigen Wellnessbereich und Spa. Dort versichert eine Kosmetikerin während der Pediküre, dass Herr Claassen einmal im Monat vorbeischaue, um in seinem Hotel nach dem Rechten zu sehen.

Foto: Frida van Dongen

Erst das Dampfbad, dann die Eis-Abreibung: Frida ließ es sich gut gehen…

Der vom neuen Besitzer beigefügte Zusatz „Parkhotel“ ist übrigens durchaus gerechtfertigt: anders als in vielen Unterkünften, die diesen Titel tragen, ist mit dem „Park“ nicht nur ein Blumenbeet am Eingang gemeint, sondern ein großzügiges Terrain, das man auf von Blumen und Skulpturen gesäumten Pfaden umrunden kann. Auch einen kleinen Kräutergarten gibt es dort, aus dem einige Ingredienzien für die Küche des Restaurants „De Wanne“ gepflückt werden.

Bild: Frida van Dongen

Direkt vom Zimmer aus im Grünen: der Park des Hotels „De Wiemsel“.

Bild: Frida van Dongen

Blühende Pracht trotzt dem grauen Himmel…

Bild: Frida van Dongen

Schön zum nachmittäglichen Flanieren: der Park des Hotels „De Wiemsel“.

Die Besonderheit:

Der persönliche, entspannt-freundliche Service. Frida ist viel unterwegs. In den meisten Hotels geht der Check-in innerhalb von drei Minuten kühl-lächelnd über die Rezeptionsbühne: angenehme-Reise-gehabt-hier-ihr-Zimmer-Nr.XYZ-Aufzug-auf-der-linken-Seite-Frühstück-von-7-bis-10-angenehmen-Aufenthalt. Nicht so im Parkhotel De Wiemsel.

Foto: Frida van Dongen

Zur Begrüßung ein Gläschen Schampus – so macht der Check-in Freude

Im Foyer lassen wir uns in tiefe Sessel plumpsen. Nach Erfüllung der Formalitäten bietet uns die Empfangsdame einen Begrüßungsdrink an – schwups, stehen zwei Gläser Schampus vor uns – und die freundliche Rezeptionistin verwickelt uns in ein Gespräch über die Grenznähe des Hotels und die Fahrt über Alleen durch die Provinz Overijssel, während wir am Gläschen nippen. Anschließend geleitet sie uns in die Junior Suite und erklärt uns die verschiedenen (technischen) Einrichtungen. Darunter übrigens auch der Bewegungsmelder, der einem nachts dezent den Weg zur Toilette erleuchtet – eine praktische Funktion, die ich bisher noch in keinem anderen Hotel der Welt gesehen habe.

Bild: Frida van Dongen

Der kunstsinnige Hotelier Claassen legt Wert auf ansprechende Dekoration – nicht nur am Empfang…

Der Wohlfühlfaktor:

Der Park. Die Ruhe. Die Betten. Das Spa. Zum Wohlfühlen hat man viel Gelegenheit. Man könnte ob der mannigfaltigen Optionen glatt in Wohlfühlstress geraten.

Foto: Frida van Dongen

Nur keinen Wohlfühlstress: Frida entspannt auf der Zimmer-Terrasse

Der ideale Gast:

Mutter und Tochter. Deren Tag dürfte so aussehen: nach einer geruhsamen Nacht mit offener Balkontür (zum Parkluftatmen) geht es ins mit allen An- und Unannehmlichkeiten ausgestattete Fitnessstudio des Hotels. Anschließend wird der Kalorienspeicher beim reichhaltigen Frühstücksbuffet mit Hering, Lachs und Co wieder aufgefüllt. Derart gestärkt, schwingen sich La Mama und ihr Töchterchen aufs Fahrrad und radeln durch die grüne Twenter Landschaft. Angenehm ermattet, schwitzen die Damen dann in der großzügig angelegten, blitzsauberen Wellnesslandschaft im Dampfbad, reiben sich mit gestoßenem Eis ab und genehmigen sich gegen 17 Uhr den ersten Drink auf der Parkterrasse – bevor sie zum gediegenen Diner mit dezentem regionalem Twenter Einschlag schreiten. Beschwipst vom Genever flanieren sie dann noch durch den Park. Vor der Abreise am nächsten Tag noch eine Pediküre im hauseigenen Spa – und die Damenwelt ist sehr in Ordnung!

Bild: Frida van Dongen

Erst die Arbeit…

Foto: Frida van Dongen

…dann das Vergnügen!

Informationen: Parkhotel de Wiemsel, Winhofflaan 2, 7631 HX Ootmarsum, Tel.: +31 (0)541 791010, info@parkhote-dewiemsel.nl, 56 Zimmer, Wellnesslandschaft, Spa, zwei Pools (innen und außen), Restaurant  www.parkhotel-dewiemsel.nl

Bewertung: 9/10

Frida van Dongen war auf Einladung im Parkhotel De Wiemsel. Ihre Begeisterung für die Viersterne-Herberge kam von alleine.

Bild: Frida van Dongen

Yerseke: Heimat der Meeresbauern

Im Hafen des zeeländischen Örtchens Yerseke herrscht Anfang Juli geschäftiges Treiben: Männer springen von Kutter zu Kutter, auf denen Berge von Miesmuscheln lagern. Dann eilen sie mit einem Eimer in der Hand in einen großen, nüchternen Flachbau. Es ist das Gebäude der weltweit einzigen Muschelversteigerung.

Bild: Frida van Dongen

Die Schalentiere werden in Yerseke von Hand geprüft.

Hier wird die lebende Ware eingehend von Hand geprüft, bevor sie in die Auktion kommt: Größe, Gewicht, Qualität, sogar der Geschmack wird bewertet. Später in der Auktionshalle sitzen dann die Fischer gespannt in der letzten Reihe hinter den Händlern und verfolgen, was ihre Schiffsladung einbringt. Denn der meistbietende Händler bekommt den Zuschlag für die gesamte Ladung.

Bild: Frida van Dongen

In der weltweit einzigen Muschelversteigerung in Yerseke.

Schwarzes Gold für die „Bauern des Meeres“

Für Jos Steketee war es ein guter Tag: der Muschelzüchter hat seine rund 130.000 Kilogramm „schwarzes Gold“ zu einem Preis für 135,60 Euro pro Muscheltonne (100 Kilogramm) verkauft. Jetzt fährt er die Ladung mit seinem Muschelkutter wieder auf die Oosterschelde – zu den markierten Parzellen des Händlers, der bei der Auktion den Zuschlag bekommen hat.

Bild: Frida van Dongen

Nach der Versteigerung werden die Muscheln wieder in der Oosterschelde ausgesetzt.

Hier werden die Muscheln wieder „ausgesät“, bis sie in den Handel kommen. Jos Steketee bezeichnet sich deshalb auch als „Bauer des Meeres“ – einer von etwa 60 Züchtern in der Region, welche die Muscheln und Austern in der Oosterschelde und im Grevelingermeer anbauen.

Bild: Frida van Dongen

Auf dem Weg zu den Muschelbänken auf der Oosterschelde.

Im August lockt der „Muscheltag“

Touristen können das aufwändige Verfahren rund um die Muschelversteigerung nur einmal im Jahr im August beim „Muscheltag“ verfolgen, einem Festwochenende mit Informationen zur Muschelzucht, Bootsfahrten und Verkostungen. Yerseke bietet aber auch jenseits des „Mosseldags“ das ganze Jahr über die Möglichkeit, in die Kultur der Miesmuschel- und Austernzucht einzutauchen.

Bild: Frida van Dongen

In der „Oesterij“ in Yerseke kann man die Muscheln verkosten.

Am besten beginnen Interessierte ihren Besuch in der „Oesterij“: das Familienunternehmen ist seit 1906 in der Muschelzucht aktiv und präsentiert sich neuerdings als Informationszentrum rund um die Schalentiere. In der dortigen „Proeverij“ gibt es Kostproben der „Oesterij“-Produkte. Auf die einfachen Holztische kommen Austern, Muscheln und Hummer in vielfältiger Zubereitung. Während der Verkostung können die Gäste die Aussicht auf die umliegenden Austernbrunnen genießen, im Sommer auch von der Terrasse aus. Anschließend kann man an einer Führung durch das Unternehmen oder an einer Bootsfahrt mit Besuch einer Muschelfabrik teilnehmen.

Bild: Frida van Dongen

Das „schwarze Gold“ Zeelands erfreut sich großer Beliebtheit – auch bei Fotografen.

Diverse Restaurants

Wer sich darüber hinaus für die Geschichte der Muschel- und Austernkultur interessiert, sollte das kleine „Oosterschelde Museum“ beim Tourismusbüro VVV auf dem Kirchplatz besuchen. Und natürlich zum Abschluss eines Miesmuscheltages in eines der Restaurants gehen, die nicht nur für einen derart kleinen Ort wie Yerseke überraschend zahlreich und überwiegend hochwertig sind.

Bild: Frida van Dongen

In den verschiedensten Variationen kommen die Schalentiere auf den Tisch.

Die Reise wurde unterstützt vom VVV Zeeland und dem Niederländischen Büro für Tourismus & Convention (NBTC).

Der Text stammt in ähnlicher Form aus dem neuen Reiseführer „Zeit für das Beste – Niederländische Nordseeküste“, der am 1. August 2016 im Bruckmann-Verlag erscheint: http://amzn.to/29nJrIW

Bild: Vechtdal Marketing

„Lekker“ radeln durchs Vechtetal

Nachdem wir über die A3 gerast sind, von wilden BMW gejagt, hupen, blinken, die volle Dröhnung, setzt irgendwo hinter Zwolle die Tiefenentspannung ein: wir. fahren. gaaaaanz. gemütlich durch kilometerlange Alleen. Vorbei an Wiesen, die dicht mit Butterblumen und Löwenzahn bewachsen ist. Dach runter, durchatmen: der Duft nach den Blüten des Frühlings. Am Horizont ein kleines Dorf mit einem weithin sichtbaren Kirchturm. Und dazu die Farbpalette, die all die großen Meister inspiriert hat.

Radweg mit Kunstwerken

In dieser ländlichen Idylle rund um das Örtchen Ommen-Vilsteren wollen wir die urholländische Fortbewegungsart nutzen – „lekker“ radeln. Das Vechtetal nämlich wird von einer Fahrradroute begleitet, die sich über die Länge von rund 180 Kilometern von der Quelle bei Darfeld im Münsterland bis zur Mündung bei Zwolle schlängelt. Die Strecke ist durchgängig flach und führt durch ein vergleichsweise dünn besiedeltes Gebiet. Neben den landschaftlichen Reizen der Tour, die immer entlang des Flusses führt, gibt es als Bestandteil der Strecke die „Kunstwegenroute“: Rund 75 Skulpturen stehen entlang des Radweges auf einer Strecke von ca. 140 Kilometern Länge – und bilden so eines der größten offenen Museen Europas. Die meisten dieser Kunstwerke stehen unter freiem Himmel und sind rund um die Uhr kostenlos für jedermann zugänglich.

Bild: Vechtdal Marketing

Kunstwegenroute im Vechtetal in den Niederlanden.

Regionalprodukte zur Stärkung

Wir haben uns für diesen Nachmittag die »Scharrelroute« vorgenommen, die ebenfalls in der Vechtdalregion angesiedelt ist. Dazu werden wir mit einem robusten Gazelle-Zweirad, einem großzügig gefüllten Picknickkorb und einer Karte ausstaffiert. »Scharrelen« bedeutet auf Niederländisch so viel wie »kramen« oder »wühlen«. Für uns Radfahrer bedeutet das, dass wir über einen Parcours geschickt werden, der uns zu mit den Spezialitäten der Region vertraut macht. Schon auf den ersten Kilometern fühlen wir uns in eine andere Zeit versetzt: Jeder grüßt uns – und weil die Radwege fast durchweg fernab der Hauptstraßen verlaufen, hören wir kaum Zivilisationsgeräusche. Stattdessen eine breite Palette typisch niederländischer Landschaften. An einem Wehr, das der Zügelung der gelegentlich sehr temperamentvollen Vechte dient, hat sich gar eine Malerin mit ihrer Staffelei niedergelassen.

Stärkung mit regionalen Produkten. Bild: Ralf Johnen

Stärkung mit regionalen Produkten. Bild: Ralf Johnen

Die erste Station ist der Hofladen von Bauer Ernie van der Kolk, wo eine Flasche hausgemachter Apfel-Himbeer-Saft auf uns wartet. Weiter geht es über stets makellos ausgewiesene Pfade, die uns von einem Knotenpunkt zum anderen durch eine Auenlandschaft führen. Von Knotenpunkt 69 und 61 bis zu Nummer 60 befinden wir uns dabei auf der vorzüglich befahrbaren Vechtdalroute, die den Fluss von der Quelle in Deutschland bis zur Mündung ins Zwarte Water bei Zwolle treu begleitet.

Sahara in Holland

Bald befinden wir uns in einem kleinen Wald, wo es intensiv nach Kiefern duftet, dann wieder folgen violett schimmernde Heidegräser. Auf den Feldern ruhen gerundete Heuballen. Ach ja, und auf einem Hochsitz füttert eine Weißstorchmama ihren noch federlosen Nachwuchs. Schwer zu glauben, dass wir heute Morgen noch in Köln waren.

Stolze Storchenmama mit ihrem Nachwuchs. Foto: Ralf Johnen

Stolze Storchenmama mit ihrem Nachwuchs. Foto: Ralf Johnen

Unterwegs sammeln wir mit unseren Vouchers ein halbes Dutzend Freilandeier und ein Orangeneis aus Biomilch ein. Wir passieren Rapsfelder und Kuhweiden, bis schließlich ein Steinpflock mit einer Aufschrift meine Aufmerksamkeit erregt: Sahara. Neugierig folgen wir den Hinweisschildern. Weil sich die für heute letzte Schulgruppe gerade aus der Natur verabschiedet, befinden wir uns ganz alleine auf einer Sandfläche von erheblichen Ausmaßen. Wir schieben die Räder minutenlang durch den Sand und räsonieren, was der Lehrer seinen Schützlingen wohl erzählt hat: »Das hier ist natürlich keine Wüste.« »Dafür regnet es doch zu oft hier.« »Es handelt sich um Ablagerungen aus der letzten Eiszeit.« Und so weiter.

Sahara in Holland. Foto: Ralf Johnen

Sahara in Holland. Foto: Ralf Johnen

Ausruhen bei einer Bittergarnituur

Uns soll es recht sein, denn wir haben einen ziemlich perfekten Ort zur Ausbreitung unserer Picknick-Decke gefunden. Nach einer verträumten Stunde packen wir widerwillig unsere Sachen. Doch es gilt noch einen Bauernhof aufzusuchen, wo ein hausgemachter Käse mit Kreuzkümmel und Nelken auf uns wartet. Es ist die längste Etappe – auch weil Wind aufgekommen ist. So gesehen sind wir nicht unglücklich, als wir nach gut 40 Kilometern den Kirchturm von Vilsteren erblicken, dem Start- und Zielort. Die leise Perfektion des Tages wird in der »Herberg Het Klomp« abgerundet, wo uns eine hopfenhaltige Erfrischung und der Klassiker der niederländischen Snack-Kultur serviert wird: eine Bittergarnituur.

Im Vechtdal dreht sich alles ums Rad. Foto: Ralf Johnen

Im Vechtdal dreht sich alles ums Rad. Foto: Ralf Johnen

Für den Abend haben wir das Fünfgangmenü mit Weinbegleitung gebucht. Lamm, Spargel und Reh. Mit Fokus auf den Produkten und überwiegend von den Höfen aus der Nachbarschaft. Zum Nachtisch wartet ein traumloser Schlaf – und die Gewissheit, dass die einfachen Dinge im Leben immer noch zu den schönsten gehören.

 Informationen

Das Vechtetal (niederländisch: Vechtdal oder Overrijsselse Vechte) ist vom Ruhrgebiet mit dem Auto bequem in anderthalb Stunden erreichbar. Mit der Bahn dauert es von Köln mit Umstiegen in Arnhem und Zwolle gut 2 Stunden und 45 Minuten.

Das Vechtetal wird von einer Fahrradroute begleitet, die sich über die Länge von rund 180 Kilometern von der Quelle bei Darfeld im Münsterland bis zur Mündung bei Zwolle führt. Die Strecke ist durchgängig flach und führt durch ein vergleichsweise dünn besiedeltes Gebiet.

Bestens ausgeschildert ist die Vechtdalroute. Foto: Ralf Johnen

Bestens ausgeschildert ist die Vechtdalroute. Foto: Ralf Johnen

Die touristische Infrastruktur der Vechtdalroute ist durch die Bank gut – am Rande der Strecke, die zugleich als Landelijke Fietsroute 16 (LF 16) firmiert, befinden sich gute Hotels, Restaurants und Cafés, in denen radfahrerfreundliche Spezialitäten wie Pannekoeken (Pfannkuchen) serviert werden.

Die Scharrelroute ist eine Initiative der Herberg De Klomp in Vilsteren. Die Teilnahme kostet 22.50 Euro pro Person (Mi–Sa). Auf Anfrage kann das Hotel auch Leihfahrräder zur Verfügung stellen. Das Hotel bietet auch kulinarische Arrangements an, die wir für sehr gelungen halten – die Küche genügt hohen Ansprüchen, ohne dabei überkandidelt zu sein. Die Weinauswahl war formidabel, das Personal sehr freundlich.

Text & Bilder: Ralf Johnen. Die Geschichte über das Vechtetal ist in Kooperation mit dem Niederländischen Büro für Tourismus & Convention (NBTC) entstanden und ist Teil der Kampagne www.lekkerradeln.de

Fahrradsafari mit Van Gogh in der Veluwe

Wir sind ganz allein mit Van Gogh. Vincent, möchte man ihn kumpelhaft rufen, so intim ist die Atmosphäre in dem menschenleeren Saal. Wir stehen einsam vor der „Caféterrasse bei Nacht“, drücken uns fast die Nasen platt vor dem „Porträt von Joseph Roulin“. Die „Kartoffelesser“ haben wir auch schon bestaunt, ohne dass wir asiatische Touristen weg boxen mussten. Selbstverständlich ist das Kröller Müller-Museum nicht immer derart publikumsarm, aber an diesem Freitagnachmittag haben wir Glück – und das Privileg, die mit 40 Werken zweitgrößte Van Gogh-Sammlung der Welt exklusiv bewundern zu dürfen. Das Museum ist auch noch in anderer Hinsicht bemerkenswert, denn es kommt ausschließlich mit Naturlicht aus. Auch besitzt es einen 25 Hektar großen Skulpturenpark mit rund 160 Standbildern namhafter Künstler. Das Ungewöhnlichste an dem Ausstellungshaus aber ist seine Lage: es befindet sich mitten im Nationalpark De Hoge Veluwe.

Bild: Frida van Dongen

Allein mit Vincent Van Gogh im Kröller Müller Museum

Kostenlose Fahrräder überall im Park

Als wir uns  von Vincent verabschiedet haben, schnappen wir uns zwei der kostenlosen Fahrräder, die vor dem Museum stehen. Insgesamt 1800 der weißen Drahtesel stehen an den Eingängen des 55 Quadratkilometer großen Nationalparks und an verschiedenen Orten im Park selbst bereit. Wir starten unsere kleine Safari. Gut 40 Kilometer autofreier Radwege führen durch den Park. Erst durch einen Mischwald, der bald einer Heidelandschaft weicht. Der Boden wird nun von Pfeifengras bedeckt, nur gelegentlich baut sich am Horizont eine knorrige Kiefer auf, die hier ausreichend Platz genießt, um ihre Zweige in sicherem Abstand zum Stamm auf dem Boden abzulegen. Langsam erinnert die Szenerie tatsächlich ein wenig an – Afrika.

Foto: Frida van Dongen

Autor Ralf Johnen gönnt sich ein Päuschen in idyllischer Umgebung.

Plötzlich sehen wir immer mehr kleine Gewässer, die das Land in schneller Abfolge durchziehen. Ein sicherer Indikator sind die weißen Farbtupfer des Schmalblättrigen Wollgrases, die an den Ufern das Grau des heutigen Tages durchbrechen. Auf dem Stamm einer abgestorbenen Kiefer legen wir eine Pause ein und treffen den Förster Henk Ruseler. Der Baum erweckt den Eindruck, als wäre er von einer Windhose oder anderen Kräften hier abgelegt worden, denn er befindet sich inmitten einer Sandfläche, die so groß ist wie ein paar Dutzend Fußballfelder. Der Jeep von Parkranger Henk könnte, je nach Blickwinkel, auch in der Wüste stehen.

Bild: Ralf Johnen

Parkranger Henk Ruseler lebt im Nationalpark De Hoge Veluwe und nahm uns mit auf Safari

Hoge Veluwe bietet diverse Landschaften auf engem Raum

Henk ist einer von nur zwei Menschen, die innerhalb der Grenzen des Nationalparks wohnen. »So viele unterschiedliche Landschaften auf so engem Raum«, sagt er, »das ist schon etwas Besonderes«. Bis zu 20 Meter hoch sind die Wanderdünen in der Hoge Veluwe. Hier, im Dreieck zwischen Apeldoorn, Amersfoort und Arnhem leben korsische Wildschafe, Hirsche, Wildschweine und jede Menge Raubvögel. Fast alle können an Wildständen mit Hilfe von Ferngläsern beobachtet werden, am besten am frühen Abend.

Hotels oder Herbergen gibt es im Park nicht, wohl aber könnten wir zelten. Wir haben uns aber für einen Freitagabend in Arnheim entschieden, eine Stadt, die wir nicht sonderlich gut kennen, obwohl wir bei fast allen Bahnfahrten in die Niederlande mit dem ICE hindurchgefahren sind. Hunderte Male. Arnheim ist Heimat einer Kunsthochschule für Mode und Design, was sich im Stadtbild unter anderem in Form des Modeviertels Klarendal mit zahlreichen Boutiquen und maßvoll hippen Bewohnern niederschlägt.

Foto: Ralf Johnen

1800 gratis zu nutzende Fahrräder stehen im gesamten Nationalpark bereit.

Spektakuläres Jagdhaus der Familie Kröller-Müller

Am nächsten Tag fahren wir zurück in den Nationalpark. Heute steht wieder Kultur auf dem Programm, das Jagdhaus der Familie Kröller-Müller. Das gesamte Areal des heutigen Nationalparks wurde im frühen 20. Jahrhundert vom Unternehmerpaar Anton Kröller und Helene Kröller-Müller aufgekauft und später gestiftet. Helene war die Tochter eines deutschen Stahlproduzenten, die sich fast schon fanatisch für zeitgenössische Kunst interessierte. Anton entstammte einer Reedereifamilie aus Rotterdam. Gemeinsam waren beide vorübergehend reicher als das niederländische Königshaus.

Ihre Geschichte bietet Stoff für Romane, doch um es kurz machen, ist der Nationalpark Hoge Veluwe wie er heute existiert, ihr gemeinsamer Verdienst. Die Hochkultur der Moderne hat hier auf fast natürliche Weise Einzug erhalten. So haben die Kröller-Müllers für den Bau des Jagdhauses St. Hubertus den niederländischen Stararchitekten Hendrik Petrus Berlage engagiert. Zudem hat Helene eine der weltweit bedeutendsten Kunstsammlungen der Epoche zusammengekauft – sie war die erste, die Van Gogh-Gemälde sammelt. Jene, die heute in dem nach dem Ehepaar benannten Museum hängen. Die Worte von Parkranger Henk haben wir nicht vergessen: »Es ist ein Witz, dass Tausende Menschen sich stundenlang vor dem Van-Gogh-Museum in Amsterdam anstellen. Da hängen nur die Leftovers.« Alles andere habe Helene Kröller-Müller gekauft.

Foto: Frida van Dongen

Unterhaltsam und lehrreich ist eine Führung durch das Jagdhaus.

Wieder schnappen wir uns eines der 1800 kostenlosen Fahrräder, um zunächst an einer Führung durch das Berlage-Jagdhaus teilzunehmen. Als wir uns dem Bau näheren, schwant uns: das hier dürfte zu den spektakulärsten Bauten gehören, die wir je gesehen haben. Ein Backsteinhaus an einem See mit zwei symmetrischen Flügeln, die von einem trutzigen Turm überragt werden. Wes Anderson könnte sich für seinen nächsten Film kein geeigneteres Setting ausmalen.

Foto: Frida van Dongen

Abgefahren symmetrisch: das Jagdhaus in der Hoge Veluwe

Die Inneneinrichtung zeugt von Pioniergeist, erlesenem Geschmack – und einem ungeheurem Vermögen. Ähnlich und doch anders als der große Frank Lloyd Wright, hat sich Berlage den Prinzipien der organischen Architektur verschrieben, fast all seine Materialien aus der Umgebung bezogen, rohe Stahlträger integriert und bis zum letzten Möbelstück alles selbst entworfen. Ja, er horcht den Prinzipien der Neuen Sachlichkeit, aber das Haus ist auch auf abgefahrene Weise versponnen.

Bild: Frida van Dongen

El Bloggerino radelt für sein Leben gerne – vor allem durch Holland!

Radfahren in der Hoge Veluwe:

Der Nationalpark ist vom Ruhrgebiet mit dem Auto bequem in anderthalb Stunden erreichbar. Wer in Arnheim ein Rad mietet, kann auch den ICE von Köln, Düsseldorf, Duisburg oder Oberhausen nehmen (Fahrtzeit zwischen 45 und 100 Minuten).

Zum Radfahren in der Hoge Veluwe ist der Nationalpark täglich geöffnet, am längsten in den Monaten Juni und Juli (8 bis 22 Uhr). Der Eintritt kostet 9,15 Euro (4,60 Euro ermäßigt), für ein Auto kommen 6,50 Euro hinzu. Die 1800 weißen Fahrräder dürfen umsonst benutzt werden.

Wer beim Radfahren in der Hoge Veluwe das Kröller-Müller-Museum besuchen möchte, kann dies tgl. außer montags von 10 bis 17 Uhr. Dies geht nur in Kombination mit einer Tageskarte für den Park, was 18,30/9,20 Euro kostet.

Führungen durch das Jagdhaus St. Hubertus werden regelmäßig angeboten (45 Minuten, 4 Euro).

www.hogeveluwe.nl/de

Für den Aufenthalt in Arnheim empfehlen wir das Hotel Modez, dessen Zimmer individuell von Designern eingerichtet wurden. Lecker gegessen haben wir im Restaurant Bij Luthers (Luthersestraat 7) für die Stunden danach drängt sich das Café Tape (Hommelstraat 66) auf.

Text: Frida van Dongen & Ralf Johnen, Bilder: Ralf Johnen. Die Geschichte über die Hoge Veluwe ist in Kooperation mit dem Niederländischen Büro für Tourismus & Convention (NBTC) entstanden und ist Teil der Kampagne www.lekkerradeln.de

 

 

Auf den Spuren von Vermeer in Delft

Das Haus in der Delfter Vlamingstraat 40-42 ist ein unscheinbares Grachtenhaus. An dem Gebäude selbst liegt es jedenfalls nicht, dass neuerdings Besuchergruppen davor stehen bleiben, um es zu fotografieren. Manch asiatischer Tourist begehrte angeblich sogar Einlass bei der dort lebenden Familie. Die Eltern mit ihren zwei Kindern scheinen den Rummel mit Gleichmut zu ertragen. Sie lümmeln sich in holländischer Lässigkeit auf dem Sofa, während draußen die Gaffer fast in die Gracht fallen bei dem Versuch, das Haus ohne ein davor parkendes Auto abzulichten.

Hübsch, aber nicht spektakulär. Was hat es mit diesem Haus in Delft auf sich?

Hübsch, aber nicht spektakulär. Was hat es mit diesem Haus in Delft auf sich?

Aufruhr in Delft

Verursacht hat den Aufruhr ein Herr namens Frans Grijzenhout. Der Professor für Kunstgeschichte an der Universität von Amsterdam hat nämlich im November 2015 eine kleine kunsthistorische Sensation verkündet und damit einen wissenschaftlichen Wettstreit für sich entschieden, der schon seit 1921 läuft. Grijzenhout veröffentlichte das Ergebnis seiner Forschungen: den wahren Ort, an dem Johannes Vermeer (1632-1675) wahrscheinlich im Jahre 1660 sein Meisterwerk „Die kleine Straße“ malte. Man ahnt es: ja, es soll die Vlamingstraat 40-42 sein. Dort, wo sich heute die Familie auf der Couch fläzt.

Professor Frans Grijzenhout fand den wahren Standort des Gemäldes in Delft heruas

Professor Frans Grijzenhout fand den wahren Standort des Gemäldes in Delft heraus

Detektivarbeit made in Holland

Wie kam der Forscher darauf, dass es ausgerechnet dort gewesen sein soll – und nicht etwa in der Vlamingstraat 22 oder im Oude Langedijk 25, wie vor ihm Kollegen behaupteten herausgefunden zu haben? Grijzenhout bediente sich eines alten Katasterbuches von 1667, in dem die zu entrichtenden Abgaben für die Häuser in Delft je nach ihrer Breite und Höhe sowie Anzahl der Durchgänge und Abstand zum Kanal aufgelistet stehen. „Als ich dies alles mit den Abmessungen auf dem Gemälde verglichen habe, gab es nur noch eine Möglichkeit: es musste die Vlamingstraat 40-42 sein“, erklärte der Kunsthistoriker bei der Eröffnung der Ausstellung „Vermeer kommt nach Hause“ im Museum Prinsenhof in Delft. Gewissheit erlangte Grijzenhout, als er auch noch herausfand, dass das Gebäude rechts neben dem im Gemälde verewigten Haus Vermeers Tante Ariaentgen Claes van der Minne gehörte.

Medienandrang bei der Eröffnung der Vemeer-Ausstellung im Museum Prinsenhof in Delft

Medienandrang bei der Eröffnung der Vemeer-Ausstellung im Museum Prinsenhof in Delft

Vermeer und seine Zeitgenossen in Delft

Die Ausstellung, die noch bis 17. Juli 2016 läuft, beleuchtet den Forscherstreit auf unterhaltsame Weise. Eindrucksvolle Stadtansichten Delfts von Vermeers Zeitgenossen sind ebenfalls zu sehen. So etwa drei Werke von Pieter de Hooch (ca. 1629-1684), von dem man vermutet, dass er eine wichtige Inspirationsquelle für Vermeer war. Zudem gibt es eine witzige „Escape Box“: eine Art Vermeer-Zimmer, aus dem man angeblich nur wieder rauskommt, wenn man Fragen zu dem großen niederländischen Meister des Barock beantwortet hat. Aber keine Sorge: bisher sei noch jeder wieder rausgekommen, versichern die Museumsbetreiber.

Auch außerhalb des Museums Prinsenhof dreht sich in Delft alles um Vermeer.

Auch außerhalb des Museums Prinsenhof dreht sich in Delft alles um Vermeer.

Gemälde „Die kleine Straße“ zurück in Delft

Glanzstück der Ausstellung aber ist natürlich das Gemälde „Die kleine Straße“: 320 Jahre, nachdem das Meisterwerk Vermeers Heimatstadt verließ, kehrt es nun bis zum 17. Juli wieder nach Delft zurück. Normalerweise hängt das Bild im Rijksmuseum in Amsterdam. „Man kann hier Vermeers Genialität besonders gut erkennen “, schwärmt Patrick van Mil, Direktor des Museums Prinsenhof Delft. Es wirke dank der präzisen Technik geradezu realistisch – selbst die Fassaden-Risse seien zu sehen, die von der gewaltigen Explosion eines Pulverlagers im Oktober 1654 herrührten und die Hunderte Opfer forderte, darunter den Maler Carel Fabritius („Der Distelfink“). Die Ausstellungsmacher beschränken sich nicht auf das Museum. Mithilfe einer englischsprachigen, kostenlosen App können Besucher in Delft auf Vermeers Spuren wandeln: Vermeers Tante geleitet sie zu den Orten, wo der große Meister wirkte.

Man kann mit einer App auf den Spuren Vermeers wandeln oder den Stelltafeln folgen

Man kann mit einer App auf den Spuren Vermeers wandeln oder den Stelltafeln folgen

Tour auf den Spuren Vermeers

Bei dem Spaziergang durch die altholländische Stadt mit ihren Grachten, Herrenhäusern, der majestätischen Kirche Nieuwe Kerk und der Oude Kerk, in der Vermeer begraben liegt, landet man schließlich auch an dem Haus an der Vlamingstraat 40-42. Dort erinnert nur noch der schmale Durchgang zwischen den Bauwerken an das Gemälde von 1660; das Gebäude selbst ist sehr viel neueren Datums. Ob Vermeer sich wohl hat ausmalen können, dass eines Tages vor dem Haus seiner Tante motorisierte Vehikel stehen und asiatische Touristen sich mit langen Stangen selbst ablichten würden?

Selbst eine herzhafte Tarte gibt es Delft zu Ehren Vermeers

Selbst eine herzhafte Tarte gibt es Delft zu Ehren Vermeers

Frida van Dongen war auf Einladung des Museums Prinsenhof Delft und des Niederländischen Büros für Tourismus & Convention (NBTC) in Delft. Ihre Begeisterung für Vermeer und seine Heimatstadt kam von alleine. „Vermeer is coming home“, bis 17. Juli, Museum Prinsenhof Delft, Sint Agathaplein 1, Delft, geöffnet montags bis sonntags, 11 bis 17 Uhr (am Königstag am 27. April geschlossen) Weitere Informationen: http://prinsenhof-delft.nl/en; www.vermeeriscominghome.com

Feiertags-Shopping in Holland

Wer Feiertage und Sonntage zum Shopping nutzen möchte, muss dafür über die Grenze nach Holland fahren. Wir haben die aktuellen Termine für 2019 für euch zusammengestellt. Denn in den Niederlanden sind dann die meisten Geschäfte geöffnet. Grachtenundgiebel.de bietet eine Übersicht.

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Shopping in Maastricht. Auch an Feiertagen haben die Läden oft geöffnet.

Fangen wir mit Neujahr, 1. Januar 2019 an: hier kann man z.B. in Amsterdam nach Herzenslust shoppen, in den großen Einkaufsstraßen von 10 bis 20 Uhr. In vielen anderen Städten allerdings sind die Geschäfte geschlossen.

Ostern sind viele Geschäfte in Holland geöffnet

Während in Deutschland an Karfreitag, 19. April 2019, das gesamte öffentliche Leben ruht, haben in den Niederlanden lediglich Behörden und Ämter geschlossen. Die Geschäfte sind in den meisten Städten geöffnet. In Amsterdam etwa kann man  das ganze Osterwochenende über shoppen. An Karfreitag gibt es sogar wie gewohnt den berühmten Albert-Cuyp-Markt im Stadtteil De Pijp. Auch in Rotterdam kann man an Karfreitag nach Herzenslust einkaufen – und sogar das neue architektonische Landmark, die Markthalle, hat von 10 bis 21 Uhr geöffnet. An Ostern sind ebenfalls in Den Haag die Läden geöffnet. Und es gibt wie jedes Jahr den beliebten Ostermarkt auf der Allee „Lange Voorhout“ (20.-22. April), wo Trödel und Antiquitäten feilgeboten werden. In Utrecht, der viertgrößten Stadt der Niederlande, steht man Karfreitag ebenfalls nicht vor verschlossenen Türen.

Für Einwohner aus Nordrhein-Westfalen sind natürlich die grenznahen Städte besonders attraktiv zum Shopping. In Maastricht zum Beispiel haben die Geschäfte an Karfreitag und Ostermontag geöffnet. Gleiches gilt für Venlo und Arnheim. An Ostersonntag sind die Geschäfte aber in der Regel geschlossen.

Der Albert-Cuyp-Markt in Amsterdam hat an Karfreitag geöffnet.

Der Albert-Cuyp-Markt in Amsterdam hat an Karfreitag geöffnet.

Weniger Feiertage als in Deutschland

Wie aber sieht es an anderen Feiertagen in den Niederlanden aus, an denen wir Deutschen in unser Konsumfreude eingeschränkt sind? Nun, fangen wir mal von vorne an. Grundsätzlich gibt es die folgenden offiziellen Feiertage in den Niederlanden, einige weniger als in Deutschland:  den Neujahrstag am 1. Januar, Karfreitag (2019: 19. April), Ostersonntag und Ostermontag (2019: 21. und 22. April), Königstag (27. April), Befreiungstag (5. Mai), Christi Himmelfahrt (2019: 30. Mai), Pfingsten (2019: 9. Juni ) sowie der erste und zweite Weihnachtsfeiertag am 25. und 26. Dezember. Aber auch an diesen wenigen Feiertagen gilt oftmals, dass die Geschäfte geöffnet sind.  Deshalb sollte man sich vorher auf der Internetseite der jeweiligen Stadt informieren, denn die Öffnungszeiten variieren.

Schmucke Einkaufspassage in Den Haag.

Schmucke Einkaufspassage in Den Haag.

Am Pfingstmontag (2019: 9. Juni ) etwa sind die Geschäfte in der Innenstadt von Den Haag von 12 bis 18 Uhr geöffnet (die Passage, s. Foto) bis 17 Uhr. Gleiches gilt für die meisten Läden im Zentrum von Amsterdam, diese laden i.d.R. von 13 bis 18 Uhr zum Shopping ein. Und im grenznahen Maastricht öffnen am Pfingstmontag die Läden ab 12 Uhr.

Selbstverständlich haben am „Tag der deutschen Einheit“, dem 3. Oktober (2019 fällt dieser Feiertag auf einen Donnerstag), die Geschäfte in den Niederlanden alle geöffnet – im Gegensatz zu denen in Deutschland.

In Holland gelten andere Öffnungszeiten

In der Regel gelten in den Niederlanden Ladenöffnungszeiten werktags von 10 bis 17.30 Uhr. Achtung: montags steht man vormittags meistens vor verschlossenen Türen. In vielen Städten gibt es donnerstags den „koopavond“ (Kaufabend), an dem die Läden in den Zentren bis 21 Uhr zum Einkaufen einladen. Auch an Sonntagen steht man in den größeren Städten nicht vor verschlossenen Türen.

Malls zum Shopping auch sonntags geöffnet

Dank eines Hinweises von Simone vom Blog http://www.nach-holland.de geben wir gerne den Tipp weiter, dass auch die Shoppingmalls in den Niederlanden meist sieben Tage die Woche geöffnet haben, so etwa das Designer Outlet in Roermond oder das Batavia Stad Fashion Outlet.