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Kniefall vor dem Fotografen: Eine Retrospektive für Peter Lindbergh

Das Gesicht einer Generation: Kate Moss, wie Peter Lindbergh sie uns gezeigt hat

Das Gesicht einer Generation: Kate Moss, wie Peter Lindbergh sie uns gezeigt hat

Erst mal ein Selfie machen. Mit dieser zeitgemäßen Geste hält Peter Lindbergh einen Augenblick fest, der sich so nicht wiederholen wird. Die Kunsthalle Rotterdam hat dem Fotografen einen großen Bahnhof bereitet.

Nur der Moment: Peter Lindbergh hält seinen groß Tag auf einfache Weise fest

Nur der Moment: Peter Lindbergh hält seinen großen Tag auf einfache Weise fest

Mit einer groß angelegten Ausstellung, aber nicht nur damit: Viele Supermodels der ersten Stunde sind gekommen, um Lindbergh zu huldigen. Der 71 Jahre alte Mann aus Duisburg genießt es sichtlich, als er in deren Begleitung in einem nicht aufhören wollenden Blitzlichtgewitter durch die Räume schreitet. »Und die Tina«, sagt er, »die kommt gleich auch noch«.

Riesenauflauf: Der Duisburger Jung mit seinen Wegbegleitern

Riesenauflauf: Der Duisburger Jung mit seinen Wegbegleitern – u.a. Tatjana Patitz und Nadja Auermann

»Die Tina« ist in diesem Fall Tina Turner, deren Posen Lindbergh festgehalten hat, um ihr in Ergänzung zu einer unverwechselbaren Stimme auch optisch den Status einer Ikone zu verleihen.

Private Dancer: Lindbergh hat Tina Turner auch optisch zu einer Pop-Ikone geadelt

Private Dancer: Lindbergh hat Tina Turner auch optisch zu einer Pop-Ikone geadelt

Weder Nadja Auermann noch Tatjana Patitz oder Milla Jovovich schauen bei der Ansage verwundert auf. In einer guten Welt ist man seinen Weggefährten schließlich etwas schuldig.

Gesichter einer Generation

Während die Kameras auf die unterschiedlichen gealterten Models gerichtet sind, parliert Lindbergh freudig. Ja, das waren Zeiten, als er Karen Alexander, Linda Evengelista, Christy Turlington und Patitz am Strand von Malibu abgelichtet hat – in weißen Blusen, die nun als modische Evergreens im Museumsshop verkauft werden. Oder als er 1994 Kate Moss mit nur einem Bild für »Harper’s Bazaar« zum Gesicht einer ganzen Generation gemacht hat. Er, ein Junge aus dem Pott, der rein äußerlich besser in einem Schimanski-Krimi aufgehoben wäre als in die Welt von Glitz und Glamour.

Milla Jovovich stand schon mit 13 vor Lindberghs Kamera. Nun hatte auch ich die Ehre

Milla Jovovich stand schon mit 13 vor Lindberghs Kamera. Nun hatte auch ich die Ehre

Im Auditorium des Museums hatte Lindbergh kurz zuvor gesagt, dass seine Arbeit in erster Linie auf Vertrauen basiere. Die Mannequins wissen, dass er nicht an Makeup interessiert ist, sondern an ihrer natürlichen Seite. Nicht an banaler Zurschaustellung des Körpers, sondern an Persönlichkeit, mit Platz für Unvollkommenheiten, die ja, verkürzt gesagt, wesentlich zum Charakter beitragen.

Der Fotograf als Therapeut: Peter Lindbergh in der Kunsthalle Rotterdam

Nadja Auermann, heute 45, räumt vor der internationalen Modejournaille sogar ein, dass sie sich erst durch Lindbergh als vollwertige Frau zu fühlen gelernt habe. »Ich wollte immer wie Marilyn Monroe aussehen. Doch ich war nur groß und dünn.« Hier hat der Fotograf also zugleich als Therapeut gewirkt.

Back then: Tatjana Patitz damals und heute

Back then: Tatjana Patitz damals und heute

Milla Jovovich stand schon mit 13 in der Mojave-Wüste vor Lindberghs Kamera. Sie ergänzt, dass es bei ihm nie darum gegangen sei, »pretty« im Sinne von hübsch zu sein. Stattdessen habe der Mann hinter der Kamera kein Risiko gescheut, um andere Seiten aus ihr heraus zu kitzeln.

Milla Jovovich mit Kurator Thierry-Maxime Loriot und Kollegin Auermann

Milla Jovovich mit Kurator Thierry-Maxime Loriot und Kollegin Lara Stone

Tatjana Patitz meint gar, es gehe dem vermeintlichen Model-Dompteur um die Dekonstruktion des gesamten Genres. In einer Welt, die nach Perfektion lechze, stehe Lindberghs Arbeit für Simplizität und Natürlichkeit.

Shine on: Milla Jovovich mit Stilllebenrequisite

Shine on: Milla Jovovich mit Stilllebenrequisite

Rund 220 Exponate hat Kurator Thierry-Maxime Loriot zum Beweis der These ausgesucht, dass Lindbergh einen anderen Blick auf die Modewelt eröffnet hat.

Zeitreise in meine eigene Jugend

Für mich persönlich ist der Besuch zu einer Reise in eine Zeit geworden, die sich wie meine Jugend anfühlt, die in Wahrheit aber wohl spätere Jahre abdeckt.

Die Gesichter von Kate Moss, Linda Evangelista, Nadja Auermann und Naomi Campbell waren in den 90ern so allgegenwärtig, dass ich mich unweigerlich in ihrer Begleitung durch laue Kölner Nächte stapfen sehe, durch ein Jahrzehnt, in dem der einzige Plan darin bestand, keinen Plan zu haben.

Karen Alexander und Lara Stone beim Close-up

Karen Alexander und Lara Stone beim Close-up

Altern mit Peter Lindbergh: ungeschminkt und natürlich

So erhält die Ausstellung zusätzlich zu ihrem Dokumentationscharakter auch eine schwelgerische, nostalgische Note. Bis die Realität an diesem besonderen Tag ihr unbarmherziges Gesicht zeigt: Die Zeit ist an einigen Supermodels nicht spurlos vorbeigezogen. Doch statt sich auf einen Wettlauf mit ihr einzulassen, geben sie sich so, als würden sie für Lindbergh posieren: weitgehend ungeschminkt und natürlich.

Mirror Madonnas

Mirror Madonnas

Als ich nach drei Stunden die Kunsthalle verlasse, komme ich zu dem Schluss: Lindbergh hat das Frauenbild seiner Zeit maßgeblich mitgeprägt. Ich finde, dass er sie in seinen Bildern von der Bürde befreit hat wie flexibel einstzbare Requisiten zu wirken. Dabei ist es ihm gelungen, auf dem schmalen Grat zwischen Unvollkommenheit und Kunst zu wandern. Dabei ist es ihm gelungen, nur innerhalb der Branche ein Star zu werden. Das könnte sich mit seiner ersten Retrospektive nun ändern. Verdient hätte er es. Und das Selfie ist schon mal im Sack.

Always on the run

Always on the run

Informationen

Die Ausstellung zeigt 220 Exponate von Lindbergh. Es handelt sich fast ausschließlich um Schwarzweißfotografien. Auf Show-Effekte verzichtet Kurator Thierry-Maxime Loriot fast vollständig – erst im letzten Raum sind einige Fotos auf transparente Tücher aufgezogen. Die Ausstellung »Peter Lindbergh – A different Vision of Photography« ist bis zum 12. Februar 2017 in der Kunsthal Rotterdam (Di–Sa 10–17Uhr, So ab 11 Uhr) zu sehen. Der Eintritt kostet 12 Euro. Anschließend zieht die Schau in die Kunsthalle München weiter.

Thierry-Maxime Loriot übrigens hat auch die Retrospektive über Jean Paul Gaultier kuratiert – und auch die habe ich während ihrer ersten Station gesehen. Das war 2010 in Montreal, wo der Kurator herkommt.

Der Katalog zur Ausstellung ist bei Taschen erschienen und kostet 59,99 Euro. Es ist ein großformatiges Kompendium mit mehr als 500 Seiten, das jedes Kind der 90er auf dem Kaffeetisch liegen haben sollte – oder wenigstens im Bücherschrank.

Weitere Informationen über die Kunststadt Rotterdam unter #rotterdamART

Text und Bilder: Ralf Johnen, September 2016

 

Verlosung: 5 Reiseführer Amsterdam zu gewinnen

17.642.600. So viele Touristen strömten im Jahre 2015 nach Amsterdam, Tagesbesucher noch gar nicht mitgezählt. Die Stadt ist voll, insbesondere in den Sommermonaten scheinen sich die Touristen im Grachtengürtel mit ihren Rollkoffern gegenseitig über die Füße zu rattern. Da fragt man sich schon ernsthaft, ob es noch eines weiteren Reiseführers bedarf, der auf die Schönheit der Grachtenstadt hinweist?

Der berühmte Grachtengürtel von Amsterdam – (fast) ohne Touristen, ausnahmsweise. Foto: Ralf Johnen

Unbekanntere Ecken in Amsterdam

Ich sage: Ja! Wenn es denn ein so gut gemachter Guide ist wie das Anfang 2017 erschienene Taschenbuch „Amsterdam DuMont Direkt“. Auf 120 luftig aufbereiteten Seiten nämlich geben die Autoren Susanne Völler und Jaap van der Wal nicht nur einen Überblick über die bekannten Touristenmeilen wie das UNESCO-Welterbe Grachtengürtel und den angrenzenden Jordaan. Sondern sie entführen auch in etwas abgelegenere Ecken, in denen sich das Lebensgefühl Amsterdams ebenfalls entfaltet, wo es aber längst nicht so überlaufen ist.

Das neue Kranhotel in Amsterdam-Noord. Foto: Frida van Dongen

Auf geht’s in den Westerpark

Dazu zählt zum Beispiel der beschauliche Westerpark mit seinem Kulturzentrum Westergasfabriek oder der Stadtteil Amsterdam Noord, der sich seit einigen Jahren vom Industriestandort zum hippen Designviertel mausert. Nicht zuletzt nehmen einen die Amsterdam-Kenner mit auf einen Spaziergang durch das jüdische Amsterdam – und verraten, warum der jüdische Spitzname Amsterdams „Mokum Aleph“ lautet, „die beste aller Städte“.

Neuer Amsterdam-Guide von DuMont, erschienen 2017. Foto: Frida van Dongen

Ein Kompass für Amsterdam

Der handliche Guide ist frisch und jugendlich in seiner Aufmachung. Übersichtlich gegliedert, enthält er 15 Stationen eines „Amsterdam-Kompass“ – je nach Neigung kann man die eine oder andere Richtung einschlagen. Serviceabschnitte wie „In fremden Betten“, „Satt und glücklich“ sowie ein herausnehmbarer Faltplan ergänzen das Angebot. Wir von grachtenundgiebel.de freuten uns vor allem, dass sich auch mal jemand der Baustil „Amsterdamer Schule“ in einem Reiseführer widmet. Dass der Guide mit einer Seite von O-Tönen aus Amsterdam schließt, ist eine lustige Idee – „hé, wat leuk“, sage ich da: ach, wie nett!

Verlosung

Gemeinsam mit dem DuMont Reiseverlag verlost grachtenundgiebel.de insgesamt fünf Reiseführer „Amsterdam DuMont Direkt“ von Susanne Völler und Jaap van der Wal im Wert von jeweils 11,99 Euro. Um zu gewinnen, müsst ihr nur in der Kommentarfunktion auf grachtenundgiebel.de angeben, wie der jüdische Spitzname für Amsterdam lautet. Wir verlosen unter allen richtigen Einsendern. Das Gewinnspiel läuft bis Sonntag, 18. Juni, 12 Uhr. Die Gewinnerin/der Gewinner wird anschließend per Email benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Wir wünschen viel Glück!

 

Radtour auf den Spuren von Rietveld

Dies ist eine Liebesgeschichte. Und sie beginnt mit dem Tod. Truus Schröder-Schräder hatte 1923 ihren Mann verloren, nun war die junge Frau allein mit ihren drei Kindern. Auf der Suche nach einer geeigneten Unterkunft bat die Witwe den befreundeten Architekten und Möbeldesigner Gerrit Rietveld um Hilfe. Als sich in Utrecht kein passendes Objekt finden ließ – Wohnungsmangel gab es also offenbar damals schon – schlug ihr Bekannter ihr kurzerhand einen Neubau vor. Im Laufe der Bauzeit verliebten sich die beiden Freunde ineinander. Gerrit Rietveld zog schließlich zu seiner Geliebten und blieb dort mit ihr bis zu seinem Tode 1964 wohnen. Das unkonventionelle Bauwerk, das Rietveld für seine Truus entwarf, ist heute weltberühmt und steht auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.

UNESCO-Welterbe Rietveld-Schröder-Haus in Utrecht. Innenaufnahmen sind leider nicht gestattet. Bild: Frida

Das Rietveld-Schröder-Haus ist Weltkulturerbe

Wenn UNESCO-Welterbe auf dem Etikett steht, erwartet man etwas Monumentales, oder? So ging es mir jedenfalls, und deshalb war ich etwas enttäuscht, als ich das Rietveld-Schröder-Haus zum ersten Mal sah. Herangeklatscht an ein anderes, traditionell-niederländisches Backsteingebäude, etwas mickrig wirkend, auch noch brutal flankiert von der Autobahn. Doch dass dieses Konstrukt etwas ganz Besonderes ist, das erkannte natürlich auch ich auf den ersten Blick. Die strengen Linien. Das Kastenförmige. Die Farben Rot, Blau und Gelb an der „Fassade“, die durch große Fenster geprägt ist. Und zu der Autobahn muss man wissen, dass Truus und Gerrit ursprünglich freien Blick auf die weite Landschaft genossen – die Straße wurde erst viel später gebaut.

Ausgetüftelt bis in die letzte Ecke

Um die Genialität des Architekten zu begreifen, sollte man eine Audiotour durch das Rietveld-Schröder-Haus machen. Jede Ecke des Gebäudes atmet De Stijl und einen seiner berühmtesten Vertreter. Durchdacht ist das Haus bis in die letzte Ecke: mittels Schiebetüren lassen sich beispielsweise die einzelnen Räumlichkeiten im Obergeschoss in ein großzügiges Loft verwandeln; Klapptische an den Wänden wirken wie Prototypen modernen Möbeldesigns für raumsparende Lösungen – Ikea erscheint hier wie eine Raubkopie.

Diverse Rietveld-Häuser in Utrecht

Das Rietveld-Schröder-Haus ist Höhepunkt einer De Stijl-Radtour, die Utrecht eigens für das Themenjahr 2017 „Von Mondrian bis Dutch Design“ aufgelegt hat. Es ist wahrlich nicht so wie bei mancher Thementour, dass die Initiatoren verzweifelt irgendwelche Punkte zusammengesucht hätten, die irgendwie an Rietveld erinnern. Vielmehr finden sich auf der 9 Kilometer langen Route noch viele bedeutende Spuren des großen Designers und Architekten in Utrecht.

An der ehemaligen Werkstatt ist ein Foto von Riteveld (Mitte, sitzend) & Mitarbeitern angebracht.

An seiner  ehemaligen Werkstatt etwa ist ein großformatiges Foto des Künstlers im Kreise von Mitarbeitern zu sehen, darüber hinaus bestehen noch diverse Häuser, die unverkennbar Rietvelds Handschrift tragen.

Typisch Rietveld: einer seiner Entwürfe in Utrecht wird von einem Arhcitekten bewohnt. Bild: Frida van Dongen

Themenjahr 2017: „Von Mondrian bis Dutch Design“

Selbstverständlich sollte man im Themenjahr „Von Mondrian bis Dutch Design“ das Centraal Museum in Utrecht besuchen. Das Ausstellungshaus beherbergt ohnehin eine umfangreiche Rietveld-Sammlung – darunter sein berühmter Stuhl. Bis zum 11. Juni ist dort aber noch dazu die Ausstellung „Rietvelds Meisterwerk“ zu sehen, welche sein Oeuvre in das Gesamtwerk der De Stijl-Gruppe einordnet. Spaß macht die Ausstellung obendrein: unter anderem kann man in einem naturgetreuen Model des Rietveld-Stuhles Platz nehmen und selbst beurteilen, ob man das Möbelstück nun bequem oder eher etwas fürs Museum findet.

Geburtshaus Mondrians ist nun modernes Museum

Wer noch immer nicht genug hat von De Stijl, sollte ins gut 20 Kilometer entfernte, sehenswerte Städtchen Amersfoort radeln – dem Geburtsort von Piet Mondriaan, dem wohl berühmtesten Mitglied der Künstlergruppe. Hier wurde im März 2017 Mondrians Geburtshaus als modernes Museum wiedereröffnet.

Das „Pariser Atelier“ Mondrians wurde in Amersfoort originalgetreu nachgebaut.

Neben einem originalgetreuen Nachbau seines „Pariser Ateliers“ sind hier Spielereien wie eine Videoproduktion zu sehen, die Mondrian bei Kochen zeigt. Ein Journalisten-Kollege fand das geschmacklos, ich fand es witzig. Vielleicht bin ich ein wenig zu verspielt. Mit hat auch eine Musik-Video-Komposition des Museums gefallen, die mit den verschiedenen Epochen Mondrians und den passenden Musikströmungen spielt. Darüber hinaus kann man aber auch ganz klassische Ausstellungsstücke zu Piet Mondrian und seinem Leben betrachten.

Weitere Informationen: ThemenjahrMondrian

Zu Gast im Grachtenhaus bei holländischen Meistern

Das Hotel

Geben wir es zu: wer von uns hat noch nicht sehnsüchtig den Hals gereckt, um in Amsterdam in ein Grachtenhaus zu spinksen? Sich vorgestellt, wie es wohl sein möge, selbst in einem der 400 Jahre alten Herrenhäuser zu residieren, abends bei einem Gläschen auf die Keizersgracht zu schauen – und sich dabei über die vorbeiziehenden Touristen zu echauffieren? Nun, wir hatten kürzlich das Vergnügen: als Gäste der „Dutch Masters“ lebten wir einen Tag und eine Nacht ganz so wie Amsterdamer Großbürger des Goldenen Zeitalters. Wir hingen vor den Fenstern, auf dass uns jemand bewundernd zulächle. Wir testeten das Echo in den gefühlt sieben Meter hohen Räumen. Hingen auf dem Sofa, blickten uns um und seufzten: zo mooi!

Blick auf das Grachtenhaus der „Dutch Masters“ an der Keizersgracht in Amsterdam. Foto: Dutch Masters

Dutch Masters sind neun Luxusappartements in einem Herrenhaus aus dem Jahre 1687, gelegen an der Keizersgracht in Amsterdam. Sie haben wahlweise Blick auf den Kanal oder in den Grachtengarten. Als wäre dies nicht genug, sind die Unterkünfte jeweils nach einem niederländischen Meister benannt – und auch dementsprechend gestaltet. Wir logierten im Vermeer-Appartement, und das „Mädchen mit dem Perlenohrring“ wachte Tag und Nacht über uns.

Im Schlafgemach wacht Vermeers „Mädchen mit dem Perlenohrring“ über uns. Foto: Frida van Dongen

Wohlfühlfaktor

Das herrschaftliche Ambiente des Goldenen Zeitalters und der Komfort der Moderne: hier gehen sie eine höchst angenehme Allianz ein. Die Küche in unserem Vermeer-Gemach hätte nicht nur das „Milchmädchen“ des Künstlers in Verzückung versetzt: mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet, könnte man sich hier wahre Festmahle zubereiten. Aber in der Nachbarschaft gibt es so viele Restaurants, dass wir die Töpfe im Schrank stehen ließen. Wohl aber gönnten wir uns nach einer geruhsamen Nacht – in völliger Stille, weil das Schlafzimmer nach hinten gelegen ist – ein „lekkeres“ holländisches Frühstück: mit Hagelslag und komijne kaas.

Herrschaftlicher Wohlfühlfaktor und moderner Komfort vereint im Grachtenhaus. Foto: Frida van Dongen

Die Besonderheit

Die neun Appartements sind nicht nur nach verschiedenen niederländischen Meistern benannt, sie sind auch im Stil des jeweiligen Künstlers ausgestattet. Während im Vermeer-Schlafzimmer ein überdimensionales „Mädchen mit dem Perlenohrring“ über unserem Bett wachte, ist das Van-Gogh-Domizil in den leuchtenden Farben gestaltet, die der Meistermaler so liebte. Darüber hinaus hat jenes Appartement direkten Zugang zum malerischen Garten. Weitere vertretene Künstler sind Frans Hals, Hieronymus Bosch, Herman Brood, Willem de Koning, Rembrandt van Rijn, Karel Appel und natürlich Piet Mondriaan, dessen Festjahr die Niederlande 2017 feiern.

Das Herman Brood-Appartement der „Dutch Masters“. Foto: Dutch Masters

Der ideale Gast

Kunstsinnige Möchtegern-Amsterdamer – mit gutgefülltem Geldbeutel. Denn die noblen Unterkünfte haben Ihren Preis: Mindestens für sieben Nächte muss man buchen, ab 1272,60 Euro sind dafür in der Nebensaison  zu berappen. Gemessen an dem, was geboten wird sowie im Kontext der gesalzenen Amsterdamer Hotelpreise ist das aber in Ordnung. Zumal manche Appartements sogar für vier Personen ausgerichtet sind (aber deren Preis ist auch höher).  Für 30 Tage kostet das Vermeer-Apartment übrigens „nur“ 2310 Euro, das ist dann wirklich ein Schnäppchen für Glückspilze, die vier Wochen in der Grachtenstadt verweilen können.

Blick ins Van Gogh-Appartement mit Zugang zum Grachtengarten. Foto: Dutch Masters

Bewertung

9/10

Technische Daten

Dutch Masters Amsterdam, neun Appartements, Kontakt: Dutch Masters Office, Keizersgracht 535, 1017 DP Amsterdam, T : +31 (0)20 330 9000, M:+31(0)610205504, E : info@dutch-masters.com, E : amsterdam@dutch-masters.com, http://en.dutch-masters.com.

Frida van Dongen verbrachte auf Einladung der Dutch Masters goldene Stunden im Vermeer-Appartement. Ihre Begeisterung kam von alleine.

 

Im Tulpenwahn zum Keukenhof

Ich habe die Niederländer schon immer für eine besondere Gabe bewundert: nämlich Dinge als „urniederländisch“ verkaufen zu können, die mit dem sich so unschuldig gebenden, kleinen Nachbarland ursprünglich nichts, aber auch rein gar nichts zu tun hatten.

Das berühmte „Delfter Blau“? Ein Fake! Billige Vasen aus Ton, die teuerstes chinesisches Porzellan imitierten, weil man es damals in Europa noch nicht herzustellen wusste. Die berühmten „dikke fritjes“? Von den Nachbarn geklaut! Heute stehen in allen Metropolen der Welt „original holländische“ statt „belgische“ Frittenbuden. Und die Tulpe? Ist ja wohl der Gipfel! Denn selbstverständlich ist kein Polder hinterm Nordseeküstendeich der natürliche Lebensraum des Liliengewächses. Sondern die Berge des Nahen Ostens bis in die Türkei hinein. Von hier kam die Tulpe nach Europa, die Holländer fanden Gefallen an ihr, verfielen in einen Rausch, wurden ganz verrücktvölligvernarrtundüberdreht und dann… Ach, lassen wir das.

Ikone der Niederlande – aber einst aus der Türkei stammend. Foto: Keukenhof

Keukenhof: über eine Million Besucher aus aller Welt

Schauen wir uns doch lieber an, was die Niederländer heute Schönes anstellen mit den Tulpenzwiebeln, die sie den Turbanträgern (daher der Name) abgeluchst und zu ihrer eigenen Ikone gemacht haben. Und wo könnte man das schöner als im berühmten Keukenhof?  Das Gelände nennt sich „meistfotografierter Blumenpark der Welt“, was man kaum belegen, aber sicherlich noch weniger entkräften kann – wenn man allein die Horden Selfie-Stangen-bewaffneter Asiaten sieht, die sich dort tummeln. Über eine Million Touristen aus der ganzen Welt strömen Jahr für Jahr in den Keukenhof. Und das innerhalb weniger Wochen: dieses Jahr werden die Scharen nur vom 23. März bis zum 21. Mai Gelegenheit haben, die Blütenpracht zu bewundern.

Acht Wochen lang Tulpen-Vergnügen

Aber es ist ja auch einfach eine Wucht!  Jedes Jahr erblühen im Keukenhof rund sieben Millionen Blumenzwiebeln, verteilt über ein riesiges Areal mit Hügeln, Gewässern und – natürlich – einer Windmühle (die scheint übrigens ausnahmsweise tatsächlich eine urholländische Erfindung zu sein).

Die alte Windmühle erhebt sich über den Tulpenbeeten im Keukenhof. Foto: Keukenhof

Wie eine Mitarbeiterin des Parks verrät, werden die von Hoflieferanten gespendeten Zwiebeln mittels eines ausgeklügelten Systems gesetzt: so, dass sie zu unterschiedlichen Zeiten erblühen und damit sowohl den ersten Saisonbesuchern Vergnügen bereiten wie auch den letzten Gästen kurz vor Schließung des Parks. Wenn der Park im Mai dichtmacht, werden die Zwiebeln wieder aus dem Boden genommen, damit im Herbst der Zyklus von Pflanzen, Blüte und Ernte erneut beginnen kann.

Hübsch angelegt ist er, der Keukenhof. Foto: Ralf Johnen

Während der Saison ist es eine helle Freude, durch den Blumenpark zu spazieren. Man sollte möglichst während der Woche kommen, um dem Andrang zu entgehen. Und wenn man dann noch – wie wir vor einiger Zeit – das Glück im Gepäck und knallblauen Himmel hat, gibt es kaum etwas Schöneres als einen Tag im Keukenhof. 

Auch Narzis(T)(s)en gibt es im Keukenhof….Foto: Frida van Dongen

Wir hopsten über Steine durch einen Teich, rollten glucksend auf dem Rasen vor den bunten Beeten, schlenderten zwischen Skulpturen umher und flanierten durch den historischen Garten mit seinen alten Tulpenrassen.

Üppige Pracht, auch bei den Skulpturen…Foto: Ralf Johnen

Themenjahr 2017: Von Mondrian bis Dutch Design

Wie kreativ sie in floralem Design sind, zeigen die Niederländer jedes Jahr wieder, wenn sie den Keukenhof unter ein bestimmtes Thema stellen. 2017 ist es „Von Mondrian bis Dutch Design“ – ein Thema, das übrigens im ganzen Jahr gefeiert wird. Die Niederländer huldigen damit der Künstlergruppe De Stijl – jener Gruppe, die mit ihrer Lichtgestalt Piet Mondrian vor 100 Jahren die Kunst revolutionierte und aus der sich das gradlinige, nüchterne und zugleich innovative Dutch Design entwickelte.

Mondrian-Gemälde aus Tulpen – das muss man den Keukenhof-Gärtnern mal nachmachen. Foto: Keukenhof

Und wie spiegelt sich Dutch Design im Themenjahr wider? Nun, zum Beispiel in einem riesigen Blumenzwiebelmosaik, das ein Mondrian-Gemälde repräsentiert. Darüber hinaus widmen sich die Blumenausstellungen im Oranje-Nassau-Pavillon ganz dem Dutch Design. Und in einem anderen Teil des Keukenhofs begegnet man dem guten „Piet“ ebenfalls: im Mondrian-Garten mit seinen primären quadratischen Farbflächen.

Bleibt noch die Frage, ob Dutch Design auch tatsächlich holländischer Herkunft ist? Doch, doch, ich glaube schon…

Weitere Informationen: www.keukenhof.nl

Der Blumenpark Keukenhof (Stationsweg 166A, 2161 AM Lisse) ist 2017 vom 23. März bis zum 21. Mai geöffnet.

 

 

Schlafen wie ein Schriftsteller im siebten Himmel: Das Ambassade Hotel in Amsterdam

Das Hotel

Wer das Besondere bevorzugt, ist hier absolut richtig aufgehoben: Das Ambassade Hotel befindet sich im historischen Grachtengürtel. Es ist auf zehn ehrwürdige Giebelhäuser verteilt. Das Licht am Abend aus den Zimmern schimmert gelblich im Wasser. Das Haus befindet sich in Privatbesitz. Eigentümer Wouter Schopman ist ein Kunstkenner, seine Sammlung verleiht dem Ambassade Hotel den Status eines Privatmuseums. Die wichtigsten Werke stammen von der einflussreichen Künstlergruppe COBRA.

Mehr als 4000 Schriftsteller haben im Ambassade Hotel genächtigt – und signierte Bücher hinterlassen

Als wäre das nicht genug, pflegen die führenden niederländischen Literaturverlage im Ambassade Hotel ihre Autoren einzuquartieren, wann immer diese in der Stadt sind. Das Resultat sind mehr als 4000 signierte Bücher, die in den Vitrinen der bibliotheksähnlichen Hausbar stehen. Zu den Schriftstellern, die hier genächtigt haben, zählen Salman Rushdie, Umberto Eco, und, jüngeren Datums, Jonathan Safran Foer. Wer nett fragt, darf die kostbaren Bücher auch in die Hand nehmen.

Wer nett fragt, darf in den kostbaren Büchern blättern

Seit 2015 beherbergt das Hotel auch seine eigene Brasserie. Die Kunstwerke an den Wänden (vorwiegend Wolvecamp) und das modern-sachliche Interieur rufen eine fast schon euphorische Behaglichkeit hervor, die am Gaumen ihre Fortsetzung findet. Dies alles böte Stoff für einen schwärmerischen Prosatext, doch etwas dergleichen sieht diese Kategorie nicht vor. Noch übrigens haben die Gastro-Führer das Lokal nicht entdeckt.

Der Wohlfühlfaktor

Als ungewöhnlich an diesem Hotel darf gelten, dass kaum etwas nicht besonders ist. Was mir von Anfang an positiv auffällt, ist die Herzlichkeit des Personals. Egal ob am Check-in, in der Bar oder in der Funktion des Concierges, scheint man hier einen gewissen Stolz zu verspüren, Teil eines großen Ganzen zu sein. In Zeiten des gewinnoptimierten Turbokapitalismus erlebt der Reisende dies nur noch selten, eine Beobachtung, die erst recht für eine weltweit geliebte Tourismushochburg gilt. Im Ambassade hingegen kann man sich dieses Privilegs sicher sein.

Wohlhabende Melancholiker können am Schreibtisch stilecht ihre Gedanken zu Papier bringen

Die Besonderheit

Die Maisonettezimmer sind zum Niederknien schön. Hier wurde lebendig, was mich Zeit meines Lebens als wiederkehrender Tagtraum beschäftigt hat: Einmal unter dem schmalen Giebel eines Amsterdamer Grachtenhaus zu nächtigen, mir vorzustellen, wer an dieser Stelle wohl vor 300 Jahren gelegen haben mag, und vor 200, oder vor 100. Aufzuwachen, von oben auf die Herengracht zu blicken und aus einem Fenster an der Dachschräge auf die verschwenderisch ornamentierten Wetterhähne früherer Jahrhunderte zu blicken. Das Frühstück aufs Zimmer kommen zu lassen. Und vorzugsweise das Hotel nicht zu verlassen, höchstens um ein paar Leckereien zu kaufen, oder einen Sancerre, der den Tag auf mustergültige Weise zu orchestrieren versteht.

Hotel-Gadgets

Ein derart geschmeidiges und gediegenes Haus benötigt keine Gadgets, um die Gunst des Gastes zu erwerben. Aber, wen es interessiert: In meinem Zimmer aber gab es Fußbodenheizung. Ein Detail für Architektur-Freaks: Die öffentlichen Räume des Hotels wurden 2015 von den spanischen Architekten Cruz y Ortis renoviert, die auch für die Neugestaltung des Rijksmuseum verantwortlich zeichnen.

COBRA-Kunst: Der Name verweist auf die Herkunft der Künstler, COpenhagen, BRüssel und Amsterdam

Der Wohlfühlfaktor

Ist in diesem Falle dem Maximum sehr nahe. Denn wie ich schon sagte: Im Ambassade Hotel wird man als Gast wie ein alter Freund behandelt und wie ein Edelmann umgarnt. Das Ambiente ähnelt einem Amsterdam aus dem Bilderbuch. Kunst und Literatur sind allgegenwärtig. So wird der Besuch wie ein Ausflug in eine bessere Welt. Ganz nebenbei: Die 2015 eröffnete Brasserie gehört zu meinen Lieblingsrestaurants in Amsterdam. Besonders reizvoll ist ein Platz am Fenster.

Der ideale Gast ist ein kulturbeflissener Genießer

Der ideale Gast des Ambassade Hotel

Hier ist die vorstellbare Palette breit gefächert. Paare, die sich einen unvergesslichen Aufenthalt gönnen möchten, wären zuvorderst zu nennen. Doch auch wohlhabende Melancholiker sind hier gut aufgehoben, die Subspezies der Feuilletonisten sowieso. Für den Durchschnittstourist ist der Zimmerpreis, der in der Nebensaison bei 170 Euro (abzüglich temporär erhältlichem Webseitenrabatt, ohne Frühstück) beginnt, sicherlich gesalzen. Dafür aber verspricht der Aufenthalt ein authentisches Stück Amsterdam, das sich im Gedächtnis auf alle Zeiten festsetzt.

Der Blick aus dem Fenster des Maisonette-Zimmers

Bewertung: 9,5 (von 10)

Technische Daten des Ambassade Hotel

Das Hotel verfügt über 56 individuell eingerichtete Zimmer. Es ist mit vier Sternen klassifiziert. Die Lage an der Herengracht ist ebenso reizend wie ruhig. Mobiliar ist durchaus klassisch, die technische Ausstattung gut. Das W-Lan ist kostenlos und schnell. Das Frühstück kostet zusätzlich 19,50 Euro pro Person. Es ist üppig portioniert. Wer sich das Frühstück aufs Zimmer bringen lässt, muss mit Filterkaffee vorlieb nehmen.

Ambassade Hotel, Herengracht 341

1016 AZ Amsterdam

Tel: +31 (0)20 555 0 222

E-Mail: info@ambassade-hotel.nl

www.ambassade-hotel.nl

Text und Bilder: Ralf Johnen, Januar 2017. Ich war für die Recherchen meines neuen Buches in Amsterdam. Das Ambassade Hotel hat uns den Aufenthalt ermöglicht. Mein Urteil ist davon unbeeindruckt.

Glamour aus Schwimmwesten: Der Designer Omar Munie

Ein kleiner somalischer Junge wird von den Eltern in den Flieger gesetzt, ein Einfachticket ohne Rückflugoption: neun Jahre alt ist Omar Munie damals, ein T-Shirt trägt er, das Trikot eines deutschen Fußballspielers – Jürgen Klinsmann, Rückennummer 18. „Dorthin müsst ihr euch durchschlagen“, gibt die Mutter den vier Kindern auf den Weg, „in die Heimat von Jürgen Klinsmann“.

Niederländische Handarbeit ist Omar Munie wichtig…Foto: Frida van Dongen

Dankesschreiben von Máxima

Aber Omar Munie und die Geschwister bleiben beim fußballerischen Erzrivalen hängen, am Amsterdamer Flughafen Schiphol. Und Omar Munie ist nie mehr fortgegangen aus Holland. Heute steht der dunkelhäutige Designer breit lächelnd in seiner Designboutique an der Den Haager Nobelmeile Noordeinde. Wenn er sich zur Tür rauslehnt, kann er die Pforte des Königspalasts sehen. Die Reichen und Schönen reißen sich um seine Handtaschen: ein Dankschreiben der damaligen Prinzessin Máxima, heute Königin der Niederlande, thront in seinem Geschäft, und Oprah Winfrey führte ebenfalls bereits eins seiner Modelle spazieren.

Die Auswahl der Modelle von Omar Munie reicht von klassisch….

Erstes Geschäft in Den Haag eröffnet

Es ist ein modernes Märchen, das Omar Munie erlebt – allerdings ist er sein eigener guter Geist gewesen, der sich durch harte Arbeit und viel Geschick seine Träume erfüllt hat. Früh entdeckt er sein kreatives Talent, besucht eine Modefachschule. Die Klassenkameradinnen sind begeistert von seinen Kreationen. Bald beginnt er, die Handtaschen für 35 Euro das Stück zu verkaufen. 2006 eröffnet der Zwanzigjährige sein erstes Handtaschengeschäft in einem Gewerbegebiet in Den Haag.

…bis verspielt. Foto: Frida van Dongen

Glamour kombiniert mit sozialem Gewissen

Dass der Designer derart durchschlagenden Erfolg hat, dürfte nicht nur an seinen Kreationen liegen, die von klassischen Business-Köfferchen bis hin zu verspielten Edelbeuteln reichen.

Der einstige Flüchtling engagiert sich vielfältig im Sozialwesen. Foto: Frida van Dongen

Die Beliebtheit der Marke Omar Munie begründet sich wohl auch aus der Kombination von Glamour und sozialem Gewissen. Der einstige somalische Flüchtling achtet darauf, unter seinen derzeit 15 Mitarbeitern stets auch Menschen zu beschäftigen, die aus ihrer Heimat geflohen sind. Er gründete die Organisation „The Dutch Tulip“, die sich die Integration von Flüchtlingen zum Ziel gesetzt hat, ihnen etwa westliche Umgangsformen und Niederländisch beibringt. Arbeitslose beschäftigt er ebenfalls.

Stolz ist der Handtaschendesigner auf seine Errungenschaften. Seinen Traum hat er sich selbst erfüllt.

Nachhaltige und handgemachte Handtaschen

Seine Produkte stellt er nach fünf Kriterien her: sie müssen handgearbeitet, in den Niederlanden hergestellt und nachhaltig produziert sein, Glamour ausstrahlen und als Inspirationsquelle fungieren. Omar Munie setzt hierbei auf Recycling und die Verwendung nachhaltiger Materialien. „Wir experimentieren grade mit Ananasleder“, verrät der Handtaschendesigner bei unserem Besuch in seinem Geschäft.

Glamour und soziales Gewissen vereint der Designer in seinen Modellen. Foto: Frida van Dongen

Das wohl ungewöhnlichste Material für seine Entwürfe aber hat mit seiner persönlichen Geschichte zu tun: er designt seit neuestem Armbänder aus recycelten Schwimmwesten. Damit erinnert er an das Schicksal derer, die mit ebenjenen Plastikwesten über die Ägäis nach Europa kamen – und auch an jene, die bei dieser Überfahrt den Tod gefunden haben. Aus dem Erlös der Armbänder unterstützt er eine Flüchtlingshilfe. Versteht sich von selbst, dass der einstige Flüchtlingsjunge ebenfalls ein Schwimmwestenarmband trägt.

Text und Fotos: Frida van Dongen

Omar Munie, Noordeinde 43 T, 2514 GC Den Haag, www.omarmunie.com

 

 

 

Im Kurhaus tanzt Nordsee-Makrele mit Sojabohnen

Kaiserin Elisabeth von Österreich, besser bekannt unter dem Namen Sisi, wird sicherlich ein wenig länger im Kurhaus von Scheveningen verweilt haben als die Rolling Stones. Die damals steil aufstrebende Band gab in den ehrwürdigen Hallen am 8. August 1964 ein Konzert, das ganze zwei Minuten dauerte – dann wurde das ekstatische Publikum mitsamt den Rockstars aus dem Kuppelsaal gekehrt.

Das ehrwürdige Kurhaus von Scheveningen. Foto: Frida van Dongen

Das ehrwürdige Kurhaus von Scheveningen. Foto: Frida van Dongen

Heute ist es recht still in dem mit maritimen Fresken prunkvoll ausgestatteten Saal, der leider nunmehr vornehmlich als Durchgangsstation des Grand Hotel Amrath zwischen dem Zentrum Scheveningens und der Strandpromenade fungiert. Zuweilen dient er noch als Kulisse für Festivitäten, wie etwa neulich anlässlich des Nationalfeiertags von Saudi-Arabien, so dass sich statt rebellischer Rockstars verhüllte Scheichs in den Hallen verlustierten, aber das ist eine andere Geschichte…

Der Kursaal in Scheveningen. Foto: Ralf Johnen

Der Kursaal in Scheveningen. Foto: Ralf Johnen

Zum Lunch auf die Kurhaus-Terrasse

Wir schreiten also durch den Kursaal, um zum wahren Anlass unseres Kurhausbesuchs zu kommen: einem Lunch im „Waves“. Das Restaurant gehört zum Hotel Kurhaus, das die niederländische Nobelkette Amrath vor 1,5 Jahren von Steigenberger übernommen hat – nachdem die deutschen Hoteliers das Traditionshaus heruntergewirtschaftet hatten. Nun also ein Neubeginn, und die Kritiken über das Haus unter neuer Regie sind durchaus wohlwollend. Wird auch das Hotelrestaurant überzeugen?

Zaungäste gibt es reichlich auf der Terrasse des Kurhauses Scheveningen. Foto: Ralf Johnen

Zaungäste gibt es reichlich auf der Terrasse des Kurhauses Scheveningen. Foto: Ralf Johnen

An einem tropischen Herbstmittag nehmen wir auf der Terrasse des Waves Platz – mit Blick auf das Meer, den Strand, die Promenade von Scheveningen und das neue Riesenrad, das sich am Pier über der Küstenlinie dreht. Aber auch, wer im Herbst und Winter drinnen sitzt, hat Dank der großen Fenster einen schönen Ausblick. Statt Brot knabbern wir als ersten Snack eine abgewandelte Version von Kroepoek, indonesische Krabbenchips, mit einer Creme, die aus einer Tube kommt – eine ungewöhnliche, durchaus pfiffige Art, die Vorfreude auf das zu steigern, was in der Folge aus der Küche kommen mag.

Macht Lust auf den Lunch: Knabbereien als Start. Foto: Ralf Johnen

Macht Lust auf den Lunch: Knabbereien als Start. Foto: Ralf Johnen

Fangfrischer Nordseefisch

Dass es Fisch sein wird, der aus der Nordsee kommt, auf die wir grade versonnen blicken, wird schon durch das Logo auf der Speisekarte deutlich: „Noordzeevis uit Scheveningen“, prangt dort mit unverhohlenem Stolz auf die heimischen Meeresschätze. Schließlich wird der Fisch unweit des Restaurants im Hafen von Scheveningen an der dortigen Fischversteigerung fangfrisch gehandelt.

Das neue Logo, mit dem die Niederländer für Nordseefisch werben.

Das neue Logo, mit dem die Niederländer für Nordseefisch werben.

Als ersten Gang serviert uns Küchenchef Marc Smeets auf asiatische Weise marinierte Makrele mit Gurke und Sojabohnen – ein Gedicht, nicht nur für die Augen! Der gehaltvolle, klassisch-niederländische Nordseefisch tanzt zu den exotischen Noten auf dem Gaumen.

Makrele mit asiatischer Note. Foto: Ralf Johnen

Makrele mit asiatischer Note. Foto: Ralf Johnen

Darauf folgt Filet von der Scholle, im Ofen gegart, mit Muscheln und einer leichten Currysauce sowie als I-Tüpfelchen das von mir so geliebte Meeresgemüse Queller. Erneut also hat Marc Smeets dem Gericht eine asiatische Komponente hinzugefügt. Dazu schenkt uns der aufmerksame, freundliche Service ein Glas Sauvignon Blanc „Single Vineyard“ vom neuseeländischen Weingut Tohu Estate ein.

Filet von der Scholle mit dem Meeresgemüse Queller. Foto: Ralf Johnen

Filet von der Scholle mit dem Meeresgemüse Queller. Foto: Ralf Johnen

Der Küchenchef erklärt seine Komposition

Zum Wolfsbarsch schließlich lässt sich der Küchenchef Marc Smeets von seinen Töpfen weglocken, um uns die Komposition zu erläutern. Der Fisch ist auf der Haut gebraten und thront auf einem Türmchen aus Perlgraupen sowie eingelegter Zitrone. Abgerundet wird die deliziöse Komposition von einer Sauce aus Schalentieren. Galant geführt wird der Wolfsbarsch von einem weißen Burgunder, Jahrgang 2013, aus dem kleinen französischen Anbaugebiet Chassagne Montrachet.

Küchenchef Marc Smeets serviert selbst den köstlichen Wolfsbarsch. Foto: Ralf Johnen

Küchenchef Marc Smeets serviert selbst den köstlichen Wolfsbarsch. Foto: Ralf Johnen

Als wir nach dem formidablen Lunch das Restaurant Waves durch den Kursaal verlassen, sind wir fast so ekstatisch wie Anno 1964 die Rolling Stones-Fans…Aber anders als jene werden wir freundlich verabschiedet.

Freundliche Verabschiedung aus dem Restaurant Waves im Kurhaus Scheveningen. Foto: Ralf Johnen

Freundliche Verabschiedung aus dem Restaurant Waves im Kurhaus Scheveningen. Foto: Ralf Johnen

Frida van Dongen war auf Einladung des Nederlands Visbureau, des Niederländischen Büros für Tourismus & Convention (NBTC) und Den Haag Marketing im Waves. Gemundet hat es ihr von ganz allein.

Restaurant Waves im Grand Hotel Amrath Kurhaus, Gevers Deynootplein 30, 2586 CK Den Haag (Scheveningen), Tel.: 0031 (0)704162636, www.wavesatthekurhaus.nl

 

Bruckmann-Verlag

Verlosung: Reiseführer „Niederländische Nordseeküste“

Ihr wollt unbedingt einmal bei einem „Google-Bauern“ in einer Scheune dinieren? Holländische Berge mit einem fiets bezwingen? Das Mädchen mit dem Perlenohrring treffen? Der neue Reiseführer „Zeit für das Beste – Niederländische Nordseeküste“, erschienen im Bruckmann-Verlag, leitet euch zu diesen und vielen anderen Orten in den Niederlanden. Auf 288 Seiten geben die Autoren Alexandra und Ralf Johnen Informationen für den perfekten Holland-Urlaub. Ergänzt wird das Buch durch zahlreiche Bilder des Fotografen Hans Zaglitsch sowie durch eine große, herausnehmbare Übersichtskarte der Urlaubsregionen. Wir verlosen drei dieser Reiseführer auf grachtenundgiebel.de. Was ihr dafür tun müsst, erfahrt ihr am Ende des Textes.

Strandtag in Scheveningen, Holland. Bild: Frida van Dongen

Strandtag in Scheveningen, niederländische Nordseeküste. Bild: Frida van Dongen

Anleitung für perfekten Urlaub an der Nordseeküste

Der handliche Reiseführer „Zeit für das Beste – Niederländische Nordseeküste“ beginnt mit einer Zwölf-Punkte-Checkliste unter dem Titel „Das sollten Sie sich nicht entgehen lassen“. Hier erfährt der Leser, was es an der niederländischen Nordseeküste unbedingt zu erleben gilt – vielleicht nicht gerade in einem einzigen Urlaub, sondern eher in Etappen. Denn die Küstenlinie beträgt van der Westerschelde bis zum Wattenmeer stattliche 523 Kilometer. Und die vorgeschlagenen Aktivitäten reichen vom Besuch des Hochwassersperrwerks Deltawerke in Zeeland, über eine Dünenwanderung durch den Nationalpark Zuid-Kennemerland bis hin zu Fisch-Essen in Volendam.

Bild: Frida van Dongen

Unterwegs auf der Oosterschelde in Zeeland, niederländische Nordseeküste. Foto: Frida van Dongen

Geheimtipps von Holland-Kennern

Nach einem Kapitel zu Geschichte und Landeskunde schließt sich ein Programmvorschlag für einen siebentägigen Küstenurlaub in den Niederlanden an. Dann folgen die ausführlichen Abschnitte zu den einzelnen Provinzen. Hier finden die Leser auch nützliche Adressen für gute Restaurants und Hotels sowie Hinweise zu den wichtigsten Attraktionen. Außerdem geben die Autoren hier ihre bei zahlreichen Hollandreisen erworbenen Geheimtipps preis. Abgerundet wird das Buch mit Reisehinweisen von A-Z, einem Guide für Familien mit Kindern sowie einem kleinen Sprachführer Deutsch-Niederländisch.

Foto: Ralf Johnen

Watterwanderung Noordpolder, niederländische Nordseeküste. Foto: Ralf Johnen

Die Autoren sind Holland-Experten

Die Autoren Alexandra und Ralf Johnen kennen die Niederlande in all ihren Facetten – von den Grachtenkellern in Utrecht bis hinauf zum Euromast in Rotterdam, von urigen Kneipen in Amsterdam bis zu Nobelrestaurants in Zeeland.

Autor Ralf Johnen bei der Arbeit...Foto: Alexandra Johnen

Autor Ralf Johnen bei der Arbeit…Foto: Alexandra Johnen

Ralf ist als Sohn einer niederländischen Mutter schon seine ersten kleinen Schritte auf dem Nordseestrand gestapft. Alexandras Spuren im Sand kamen später: zunächst durch private Besuche bei Ralfs Familie, dann als Stipendiatin der Internationalen Journalistenprogramme (IJP) und seit 2008 als Pressereferentin des Niederländischen Büros für Tourismus & Convention.

Autorin Alexandra Johnen in einem Airstream auf dem Campingplatz De Lakens. Foto: Ralf Johnen

Autorin Alexandra Johnen in einem Airstream auf dem Campingplatz De Lakens. Foto: Ralf Johnen

Drei Reiseführer zu gewinnen!

Gemeinsam mit dem Bruckmann-Verlag verlost grachtenundgiebel.de insgesamt drei Reiseführer „Zeit für das Beste – Niederländische Nordseeküste“ im Wert von jeweils 15,99 Euro. Um zu gewinnen, müsst ihr nur in der Kommentarfunktion auf grachtenundgiebel.de angeben, wie das Hochwassersperrwerk in  Zeeland heißt. Wir verlosen unter allen richtigen Einsendern. Das Gewinnspiel läuft bis Sonntag, 23. Oktober 2016. Die Gewinnerin/der Gewinner wird anschließend per Email benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Wir wünschen viel Glück!

Weitere Informationen: Reiseführer Niederlande Bruckmann-Verlag

 

 

 

Neuer Reiseführer: Niederländische Nordseeküste

Sehnsucht nach Strand. Die Füße in den Sand graben, sanft eindösen beim Rauschen der Wellen, Bötchen zählen, die am Horizont vorüberziehen. Für viele Urlauber aus NRW ist es ein seit Generationen praktiziertes Ritual: den Kofferraum vollpacken, und in rund drei Stunden gen Holland düsen, zweieinhalb Tage Kopflüften.

Das Mädchen mit dem Perlenohrring Mauritshuis Johannes Vermeer Den Haag The girl with the pearl earring 47

Kurzurlaub vor dem Kurhaus von Scheveningen: Reiseführer-Autor Ralf Johnen

Doch selbst eingefleischte Holland-Seefahrer wissen oft nicht: dass man in Zeeland hervorragenden Oosterschelde-Hummer kosten kann. Dass unweit des Strandes das „Mädchen mit Perlenohrring“ auf Besuch wartet. Und es im Nordholländischen Dünenreservat kleine Berge zu erklimmen gibt.

Das Mädchen mit dem Perlenohrring Mauritshuis Johannes Vermeer Den Haag The girl with the pearl earring 25

Vermeers „Mädchen mit dem Perlenohrring“ ist der Popstar des Mauritshuis in Den Haag

Unentdeckte Seiten der holländischen Nordseeküste

Geheimtipps wie diese verrät Grachtenundgiebel-Gründer Ralf Johnen in seinem neuen Reiseführer „Niederländische Nordseeküste – Zeit für das Beste“. Gemeinsam mit seiner Frau Alexandra Johnen und dem Fotografen Hans Zaglitsch will der Journalist neben den bekannten Abschnitten der 250 Kilometer langen niederländischen Nordseeküste auch diejenigen Ecken vorstellen, die den Objektiven der Stammgäste vielleicht bisher entgangen sind.

Einsame Strände an der niederländischen Nordseeküste

Einsame Strände an der niederländischen Nordseeküste

Auf 288 Seiten führt die Reise von Zeeland mit einem Fokus auf den kulinarischen Köstlichkeiten der Provinz nach Zuid-Holland mit Geheimtipps für noch (weitgehend) unentdeckte Strände sowie die zauberhafte Städte Delft, Den Haag und Leiden. Nach dem Besuch des futuristischen Rotterdams mit seiner spektakulären neuen Markthalle geht die Reise nach Nordholland mit Amsterdam als Highlight, aber auch mit einem Tipp für das idyllische Naturschutzgebiet Zuid-Kennermerland. Inselhopping zu den niederländischen Nordsee-Eilanden ist ebenso drin wie eine Rundfahrt ums Ijsselmeer und ein längerer Ausflug nach Friesland und Groningen.

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Ergänzt wird das mit rund 450 Fotos sowie diversen Karten ausgestattete Buch mit Tipps für Aktivitäten mit Kindern. Außerdem gibt es  Ratschläge für einen günstigen Urlaub in den Niederlanden sowie ein Beispiel für eine einwöchige Tour an Hollands Küste. Reiseinformationen und ein kleiner Sprachführer runden den Guide ab.

„Niederländische Nordseeküste – Zeit für das Beste“, von Alexandra und Ralf Johnen sowieHans Zaglitsch (Fotos), erschienen im Bruckmann Verlag am 1. August 2016, 288 Seiten, 15,99 €, ISBN-13: 978-3-7343-0416-3

Beziehbar über den klassischen Buchhandel sowie über: Online-Buchhandel